Abercrombie & Fitch und die "dicken Frauen"

Benutzer39498 

Planet-Liebe ist Startseite
Ich glaube, manche verstehen das falsch: es geht nicht darum, das A&F nichts in 3XL anbietet - sondern darum, das Menschen die in den Augen des Chefs nicht schön genug oder cool genug sind nichts in den Klamotten verloren haben und in seinen Läden unerwünscht sind.

As far as Jeffries is concerned, America’s unattractive, overweight or otherwise undesirable teens can shop elsewhere. “In every school there are the cool and popular kids, and then there are the not-so-cool kids,” he says. “Candidly, we go after the cool kids. We go after the attractive all-American kid with a great attitude and a lot of friends. A lot of people don’t belong [in our clothes], and they can’t belong.
 
S

Benutzer

Gast
... denn alle schlanken Menschen sind automatisch hübsch, beliebt und/oder cool? :ratlos: Wenn ich mir die Aussage von Jeffries durchlese, komme ich jedenfalls zu dem Schluss, dass A&F ihre Vorgaben besser erreichen könnten, wenn sie Türsteher an die Filialeingänge stellen würden :zwinker:
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich glaube, manche verstehen das falsch: es geht nicht darum, das A&F nichts in 3XL anbietet - sondern darum, das Menschen die in den Augen des Chefs nicht schön genug oder cool genug sind nichts in den Klamotten verloren haben und in seinen Läden unerwünscht sind.
Naja... diese Aussage ist doch einfach nur dummes Geblöke, um ein paar Schlagzeilen zu produzieren, damit hoffentlich viele Leute glauben, die Klamotten von A&F seinen unglaublich cool.
Mit dem ganzen Medienecho hat der Chef auch nur genau das erreicht, was er erreichen wollte.
 

Benutzer18889 

Beiträge füllen Bücher
Mir egal. Ich mag die Sachen und kaufe sie gern. Wem deren Firmenpolitik nicht gefällt, der kann ja woanders einkaufen.
 

Benutzer30029 

Verbringt hier viel Zeit
Es besteht aber ein Unterschied ob man halt (nur) seine Firmenpolitik auf bestimmte Gruppen ausrichtet oder öffentlich über diese Gruppen her zieht. Und es mag schon sein dass eine solche Firmenpolitik und solche Äußerungen geschäftsschädigend sind - aber nur solange solche Äußerungen nicht salonfähig sind. Und wenn der Aufschrei unterbleibt geht man m.E. einen wesentlichen Schritt hin zu dieser Salonfähigkeit.

Das kann ich in puncto: "die Betroffenen können sich doch selbst wehren" nur unterschreiben.

Was die anderen Argumente angeht:
Punkt 1: "es gibt doch auch XXL-Läden"
Klar gibt es die, ist ja auch in Ordnung und es ist auch in Ordnung, wenn eine Marke nur bis Größe 40 Sachen anbietet. Es ist aber ein Unterschied, wenn ich ganz gezielt Menschen angreife, die die Normen (in dem Fall die Größe) nicht erfüllen und diesen den Zugang zu den Dingen verwehre. XXL Läden haben im Normalfall nichts dagegen, wenn Dünne in ihren Sachen rumlaufen und wenn, dann halte ich das für eine genauso verwerfliche Diskriminierung.

Punkt 2: "der Vergleich Jude - dick/hässlich hinkt, weil es ist doch jeder selbst für sein Gewicht verantwortlich, während er für seine Konfession/Nationalität nichts kann"
Also ehrlich, klar haben im Durchschnitt die Menschen einen Einfluss auf ihr Gewicht, aber erstens gibt es auch da Menschen, die es leichter oder schwerer haben (Krankheiten, Menschen, die besser oder schlechter verwerten) und zweitens geht es ja nicht nur um das Gewicht, sondern auch noch um die Attraktivität. Und da kann nun wirklich keiner erzählen, man hätte großartig Einfluss. Oder soll man sich dann unters Messer legen? Steht ja auch jedem frei, nicht wahr...

Ich finde ganz klar: wenn Minderheiten/Schwache/bestimmte Nationalitäten/... diskriminiert werden, öffentlich und völlig schamlos, dann sollten sich nicht nur die Betroffenen darüber aufregen, sondern auch alle anderen dafür kämpfen, dass so etwas nicht salonfähig wird. Wohin das führt, hat in unserer Geschichte wirklich jeder gesehen...(und ja, es ist ein angemessener Vergleich!)

Und nur so nebenbei, dass völlige Freiheit nicht wirklich zu Freiheit führt, sollte seit der Diskussion um die freiwillige Krankenversicherung oder wahlweise auch das Recht auf Waffenbesitz in den USA eigentlich jedem bewusst sein...
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Mei, Abercrombie und ihr High-School-Ableger Hollister sind Marken, die das Verkaufen eines "Images" bewusst auf die Spitze getrieben haben, deren Aufstieg&Erfolg zu einem guten Teil darauf beruht - siehe deren Stores, in denen die Klamotten inmitten von Dämmerlicht, Store-Parfum-Wolke, Indie-Pop-Hits-Gewitter auf Volume 11 und Ausstattungswahn fast schon Nebensache sind.

Die Grundtendenzen (junge, attraktive Menschen mit halbwegs Kohle sollen unsere Mode tragen! Werdet wie eure Teenie-Serien-Stars oder High-School-Stars! Unsere Kunden sind die Cool Kids!) sind nicht wirklich was Neues und werden in vielen, vielen Werbekampagnen aller möglichen Modemarken durchexerziert, nur eben selten laut in dieser übertriebenen Konsequenz ausgesprochen - und wirklich beschweren kann man sich eigentlich nicht darüber, dass gewisse Größen nicht angeboten werden und die Sachen preislich nicht für jeden erschwinglich sind. Man hat sein Image und seine Zielgruppe auserkoren und bedient sie. Und wer da nicht dazugehört, es zu teuer oder unsympathisch findet, kauft's halt nicht.

Wirklich schwierig wird's eigentlich erst durch die Extreme, in der man hier die Marketing- und Firmenstrategie durchexerziert und die doofen Äußerungen des Chefs. Store Models (statt normalen Verkäufern), die primär nach Aussehen eingestellt werden, fragwürdige Arbeitsbedingungen und Verträge, unsympathisch-ungelenke Äusserungen wie die Genannten von Jeffries, der menschlich ein ziemlicher Vollpfosten zu sein scheint, der auf gewisse weise seiner Jugend hinterherheult, vermutlich nie cool war und denkt er könne das jetzt so nachholen - das Alles kann schon mal sauer aufstoßen und darf und sollte durchaus diskutiert werden.

Wobei ich seine ungelenk-doofen Äußerungen über die "cool Kids" nicht überbewerten würde - klar, er wünscht sich dass die das tragen. Dann kaufen es nämlich auch die nicht-ganz-so-cool-Kids, die sich's leisten können. Dann wird man praktisch schon an der Kasse mit jedem Kauf gefühlt als "cool" geadelt. Das ist zumindest das, was man im Kunden auslösen möchte. Deshalb sieht man die eigenen Klamotten nicht gern an Obdachlosen, oder an unattraktiven Menschen. Sie widersprechen dem Image, das verkauft wird. Ottonormalkonsument soll doch denken er ist ein Cool Kid, wenn er's trägt. Herrje, vielleicht fällt Jeffries sogar auf den eigenen Trick rein und denkt er würde dadurch selbst cooler.

Eine Aktion wie das Verschenken von Abercrombie-Klamotten an Obdachlose nach der extrem unbedachten und unsympathischen Äußerung man würde die Ausschussware eher verbrennen, als sie denen zu geben (wobei ich fürchte, dass noch einige andere Firmen so denken und handeln...) finde ich da im Grunde ganz lustig und gut. Wobei für mich die scheinbar daraus entstandenen Fotos mit den Schildern (I'm too poor,... / I'm too fat...) schon wieder am Ziel vorbeischießen. Ich finde es albern anzuprangern, dass man selbst nicht Teil einer Zielgruppe ist - ich finde es ok anzuprangern, dass (vermutlich sehr unbedacht) derart unsoziale Äußerungen getroffen wurden und man so Augenzwinkernd ein kleines Zeichen dagegen setzt.

Die gaaanz große Aufregung und Rufe nach dem shitstormenden Internet-Mob finde ich aber doch - wie meist - ein wenig übertrieben, auch wenn man sicher auf Misstände aufmerksam machen darf und sollte. Der Markt regelt dann schon auch die Firmen- und Imagepolitik der Marke - und ihren Erfolg damit - meist irgendwann von selbst. Sieht man auch ganz hübsch an Saks in New York, die jetzt auch edle Designerklamotten in Übergrößen anbieten - gibt halt doch genug ebenso kaufkräftige wie kräftige Interessent(inn)en in den US of A.

Solange Abercrombie und Hollister sich nicht beim Klamottenkauf nen Vertrag unterschreiben lassen, dass man die Klamotten nicht verschenken darf, oder Menschen die es sich eigentlich leisten könnten, aktiv davon abhält ihre Klamotten zu kaufen, sollen sie halt schauen wo's sie hinführt - schließlich beeinflussen auch solche fragwürdigen Äußerungen das eigene Firmenimage. Wenn ich mich in der Stadt mal so umschaue - da tragen schon einige Hollister oder Abercrombie, auch wenn der Trend gerade wieder abflacht. Die Annahme das wären allesamt "Cool Kids" könnte ich aber nicht bestätigen. :zwinker:

Lange Rede, kurzer Sinn: Sympathisch ist sicher anders, es ist aber immer noch die Entscheidung jedes einzelnen Konsumenten, ob er an dieses verkaufte Image glaubt, sich dieses Image anziehen und den dafür abgerufenen Preis blechen will, so er das kann. Ob er eine Firma unterstützt oder nicht. Oder ob er schlicht schaut ob ihm ne Klamotte gefällt oder nicht, unabhängig von den Images, die uns verkauft werden sollen.

Just my 2 cents,
brainie
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer36171 

Beiträge füllen Bücher
Ich glaube, manche verstehen das falsch: es geht nicht darum, das A&F nichts in 3XL anbietet - sondern darum, das Menschen die in den Augen des Chefs nicht schön genug oder cool genug sind nichts in den Klamotten verloren haben und in seinen Läden unerwünscht sind.
Genau das. :jaa:

Ich finde die Aussage sehr unsozial und das "Trara" darum sehr gut. Ich bin froh, dass so etwas nicht einfach unkommentiert und mit einem Achselzucken hingenommen wird. (Und: nur weil ich mich darüber ärgere, heißt das noch längst nicht, dass ich irgendetwas verbieten oder sanktionieren möchte oder dass es für mich neu wäre, dass Unternehmen so denken oder dass ich deswegen total durchdrehe. :zwinker: Die ironischen Aktionen zu dem Thema finde ich jedenfalls super!)
 

Benutzer39498 

Planet-Liebe ist Startseite
Die "Norm" ist in den USA übrigens eher Größe 42 aufwärts. Immerhin sind gute 2/3 der US-Amerikaner übergewichtig oder fettleibig. A&F bedient also eine Minderheit. :grin:
 

Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Die "Norm" ist in den USA übrigens eher Größe 42 aufwärts. Immerhin sind gute 2/3 der US-Amerikaner übergewichtig oder fettleibig. A&F bedient also eine Minderheit. :grin:

Wobei die Gewichtsverteilung in den USA vermutlich keine schöne Gausskurve ist, es gibt ja auch sehr viele sehr dünne und sehr sportliche Leute und eben eine große Mehrheit richtig Fette.
 

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit
Off-Topic:
Off-Topic:

Wobei's da um Verkäufe von (angeblicher?) Neuware im gewerblichen Umfang - und nicht um vereinzelte Privatverkäufe - geht, wenn ich's richtig überflogen habe. :zwinker:
Aber es werden auch private Verkäufer abgemahnt, was bedeutet, dass die erstmal Geld für anwaltliche Hilfe benötigen, wenn sie gebrauchte Stücke verkaufen.
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Off-Topic:
Off-Topic:

Aber es werden auch private Verkäufer abgemahnt, was bedeutet, dass die erstmal Geld für anwaltliche Hilfe benötigen, wenn sie gebrauchte Stücke verkaufen.
Okay, das wäre in der Tat alles andere als nett... Wobei das einzige, was ich jetzt dazu auf die Schnelle gefunden habe das hier ist:
Gegenstand der Schreiben an die privaten eBay-Händler ist hingegen die nicht lizenzierte Verwendung von Produktfotos.
Sprich: Abgemahnt wird, wer für den Verkauf Bilder von den Klamotten nutzt, die er aus dem Netz gezogen hat. Ist freilich immer noch reichlich unsympathisch und riecht stark nach Abzock-Masche der Abmahn-Industrie, ist aber nicht das Gleiche wie ein Verbot des privaten Weiterverkaufs ihrer Ware, das in der EU wohl kaum rechtlich durchsetzbar wäre. Ansonsten unterbinden sie wohl "nur" noch den geschäftsmäßigen Verkauf von Ware, die nicht direkt bei Abercrombie gekauft wurde. Von Ebay direkt gibt's auch noch Hinweise zu dem Thema.
Aber ja, seltsamer Laden.
 

Benutzer30217 

Sophisticated Sexaholic
Seit die Sache wieder hochgepusht wurde, verteilen Menschen Abercrombie Kleidung an Obdachlose. Marke mit Stil. :tongue:
 
M

Benutzer

Gast
Jede Marke bedient ne Zielgruppe, so definiert sich doch das Markenimage.
Das impliziert auch, dass Menschen außerhalb dieser Gruppe nicht wirklich angesprochen oder berücksichtigt werden.

Welches Modelabel würde schon explizit damit werben, vorrangig für unattraktive und/oder übergewichtige Menschen zu produzieren? Das wär ja mal DIE Anti-Taktik schlechthin. ESPRIT wirbt ja auch mit Gisele Bündchen und nicht mit Cindy aus Marzahn (werbetechnisch und verkaufspsychologisch sicherlich ne weise Entscheidung :zwinker:
Insofern propagieren andere Marken subtil und indirekt, was A&F ausspricht.

Hier ist aber für mich der entscheidende Punkt. Derartige Äußerungen konkret und offen zu tätigen, ist sowas von unpassend und verletzend, dass der gesellschaftliche Aufschrei durchaus gerechtfertigt ist. An sich indiskutabel. Soll unsere Gesellschaft wirklich als Markengeißel von Modeschöpfern in Menschen erster und zweiter Klasse unterteilt werden? Soll, darf und kann man das unterstützen? Welche Werte werden denn durch solche Statements letztendlich propagiert?

Im Endeffekt aber nur ein geschickter Trick. Allein das Tragen einer Marke suggeriert also Attraktivität.
Welcher Teeny möchte denn bitte nicht cool, schön, heiß und begehrenswert sein? Wenn dazu gehört, dass man sich selbst als Abercrombie-würdig einstuft, dann sorgt das in den Kassen für klingende Münze.

Für mich macht das Abercrombie als Marke sehr, sehr unsympathisch. Ob ich konsequent genug wäre, A&F deshalb für immer zu meiden, kann ich nicht sagen. Bisher besitze ich keine Abercrombie-Klamotten und ich hab auch nicht das Gefühl, dass mir massiv was fehlt.
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Hier ist aber für mich der entscheidende Punkt. Derartige Äußerungen konkret und offen zu tätigen, ist sowas von unpassend und verletzend, dass der gesellschaftliche Aufschrei durchaus gerechtfertigt ist. An sich indiskutabel. Soll unsere Gesellschaft wirklich als Markengeißel von Modeschöpfern in Menschen erster und zweiter Klasse unterteilt werden? Soll, darf und kann man das unterstützen? Welche Werte werden denn durch solche Statements letztendlich propagiert?
Ich sehe das auch so. Wir abgeklärten Leute können mit sowas umgehen, wir werden durch solche Geschäftspraktiken nicht verletzt. Aber andere. Nicht alles muss uns egal sein was uns nicht betrifft. Denn wir sind nicht der alleinige Massstab.

Leider wirbt Abercrombie & Fitch nicht im luftleeren Raum. Nur möchte ich keine Welt, in der man entweder SCHÖN, oder REICH, oder GENIAL sein muss um akzeptiert zu werden.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren