1+1=4 - Die Erweiterung des Gemüsebeets

Benutzer107106 

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05.06.17 - Montag, 34 + 2 , 35. Schwangerschaftswoche, 9. Monat

Liebes Gürkchen,
mit Blick auf den Kalender wird es nun wirklich spannend: Deine Schwester wurde 10 Tage vor ET geholt. Bei dir wäre das rechnerisch also anstatt des 15.07. der 05.07. - und der ist heute in einem Monat. :eek::whoot:
Wir bereiten uns daher weiter auf dich vor: Heute habe ich deine Wippe, die ich gebraucht besorgte, gewaschen, das Schlafzimmer ist nun umgestellt, die nächsten Tage putze ich es noch einmal gründlich. Nächste Woche folgen Wiege und die allerletzten Kleinigkeiten. Dann wird alles fertig sein. Hilfe. Oder Juhu?

Seit dem Schwimmbadstopp lagere ich abends wieder Wasser ein. Noch ist es zwar nicht sehr schlimm, aber es wird doch zusehnds unangenehm. Ich habe nach dem Urlaub 2 kg verloren, weil das Wasser wohl weg war. Jetzt kommt es wohl wieder. Trotzdem geht es mir im Vergleich zur Schwangerschaft deiner Schwester noch immer deutlich, deutlich besser.
Leider piekst die Blase immer mal wieder und ich habe Angst, dass ich auch dieses mal die Entzündung noch nicht ganz wegbekommen habe. Zum Glück habe ich morgen eh ein Klinikvorgespräch. Ich habe einige Fragen und das Thema BE gehört natürlich dazu.
Ich freue mich richtig auf das Gespräch. Dann sehe ich die Klinik mal wieder und hoffe auch vom Kopf ein bisschen mehr anzukommen und mich auf deine Geburt mental vorbereiten zu können.

Die Tage habe ich eine Schnullerkette für dich gebastelt. Sie habe ich nun täglich in der Hand. Sie trägt deinen Namen und ich kann ihn mir so immer und immer selbst vorsagen. Es tut mir gut, mich an deinen Namen und schlicht an dich und deine baldige Ankunft zu gewöhnen. Sie sieht ähnlich aus wie diese hier: http://www.perlenkind.com/shop/images/product_images/original_images/web-1509.jpg

Ich bin gespannt, was mir der morgige Tag bringt.
Bis dann,
deine Mama :herz:
 

Benutzer107106 

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06.06.17 - Dienstag, 34 + 3 , 35. Schwangerschaftswoche, 9. Monat

Liebes Gürkchen,
heute hatten wir das Geburtsplanungsgespräch und es war, wie ich es mir erhofft hatte.
Die Hebamme, die sich meiner angenommen hatte, war sehr nett und wir sind alles für die spätere Aufnahme durchgegangen, inkl. der Bitte um ein Familienzimmer.
Dann folgte die Untersuchung durch die sehr kompetent wirkende Oberärztin, die mich bereits bei deiner Schwester untersucht hatte. Ihr Untersuchungsergebnisse stimmten mit denen meiner Frauenärztin überein; Du bist ein leicht überdurchschnittliches Kind (62. Perzentile) und hast einen großen Kopf (97. Perzentile). Du wiegst knappe 2500g. Außerdem können wir uns nun zu 100% sicher sein, dass du ein Junge bist. Da gibt es gar nichts mehr dran zu deuteln :grin:
Die Blasenentzündung ist weg und daher gibt es jetzt auch erstmal keine ABs mehr.

Dann hat die Ärztin das große OP-Buch geholt und in der Woche vom 3. - 9.07. aufgeschlagen: "Wenn Sie unbedingt möchten, könnten Sie einen Abendtermin am 7.7. bekommen. Aber dann ist Station wirklich voll und es wird mit dem Familienzimmer schwer. Der 8. und 9. ist am Wochenende, das ist nicht so geschickt. Es bleiben also der 5. und der 6. Juli."
Ich habe heute also deinen Geburtstag gewählt: Es wird Mittwoch, der 5. Juli 2017 - außer du wirst dich für ein früheren Termin entscheiden.

Ich bin mit einem sehr guten Gefühl aus der Klinik gegangen. Ich weiß jetzt, dass ich mich für den richtigen Weg entschieden habe. Der große Kopf spräche laut Oberärztin eh für einen KS und so ist nun alles gut.
Am 04. geht es zur Aufnahme und am 05. sind wir morgens dann in der Klinik, vorraussichtlich als erster oder zweiter Termin am Morgen.

Ich bin richtig aufgeregt und freue mich so. Jetzt muss ich die großen Entscheidungen treffen, zum Beispiel was dein Heimwegoutfit sein soll. :grin:

Bis bald mein Mäuschen,
deine Mama :herz:
 

Benutzer107106 

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13.06.17 - Dienstag, 35 + 3 , 36. Schwangerschaftswoche, 9. Monat

Liebes Gürkchen,
es geht hier alles in großen Schritten weiter.
- Dein Beistellbett steht, die Matratze ist bezogen. (Und mit Kekskrümeln deiner Schwester überzogen :grin:)
- Deine Babyschale ist ausgepackt, der Bezug gewaschen, getrocknet und wieder drauf gezogen.
- Deine Wäsche, die seit Wochen im Schrank lag wurde noch einmal im Schnellwaschgang gewaschen und trocknet noch auf der Leine.
- Die Molton- und Spucktücher sind alle gewaschen und gebügelt.
- Der Bezug der Kinderwagenmatratze ist ebenfalls gewaschen, die Matratze lüftet.
- Die Kliniktasche ist gepackt und wird regelmäßig um Kleinigkeiten erweitert, so habe ich gestern z.B. noch günstige Badelatschen gekauft.
- Der Wickeltisch ist soweit fertig. Gerade war ich noch im DM und habe Feuchttücher und Windeln und weiteren Kleinkram besorgt.
- Ich nähe weiter für dich: Ein Schlafsack ist fertig, demnächst kommt ein "Himmel" für die Wiege, wobei der Stoff aus eine Art Tüll ist. Ich möchte dich nämlich im Sommer notfalls vor Fliegen und Mücken schützen, die hier manchmal ganz schön nerven können. Deine Luftzufuhr ist natürlich nicht beeinträchtigt.

Und ich? Ich kämpfe mit leichten, manchmal auch stärkeren Vorwehen und heftigen Muttermundstechen. Ich bin eher genervt, als beunruhigt, weil es mir manchmal echt wehtut.

Am Donnerstag soll alles fertig sein.
Bis ganz, ganz bald,
deine Mama:herz:
 

Benutzer107106 

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14.06.17 - Dienstag, 35 + 4 , 36. Schwangerschaftswoche, 9. Monat

Na mein Süßer?
Heute waren wir in der Klinik. Die Wehen wurden stärker und regelmäßiger.
Zum Glück war es bei meiner Ankunft recht leer, so kam ich sofort ans CTG. Ich dachte mir schon, dass es Wehen anzeigt, wenn auch keine gravierenden.
Dann musste ich zurück ins Wartezimmer und traf dort auf eine sehr nervöse Bekannte, deren Einleitung nicht geklappt hatte und nun zum KS musste. Ich redete ihr gut zu und berichtete vom KS deiner Schwester. Das hatte sie merklich entspannt. Immerhin. "Jeden Tag eine gute Tat" - oder wie war das?
Als sie in den Kreißsaal wechselte las ich noch eine Stunde an meinem Handy und in ziemlich ausgelutschten Magazinen.
Irgendwann wurde ein Bett an mir vorbeigeschoben und ein quäkendes Neugeborenes war zu hören. Alle schwangeren Frauen im Wartebereich grinsten sich an. Wir wollten auch alle! Hach ja, so oder so habe ich auch dich bald in meinem Arm.
Dann kam endlich die Ärztin und wir gingen in den Untersuchungsraum. Sie machte einen Ultraschall und prüfte meine Narbe und die Gebärmutterwand. Die Narbe ist ok und im Ultraschall gut zu erkennen: gerade und glatt, keine Unterbrechung, aber die Gebärmutterwand ist dünn. Dein (großer) Kopf liegt weiterhin unten, aber noch nicht besonders tief.
Im Anschluss wurde der Muttermund untersucht; Er ist fast verstrichen, aber noch fest geschlossen und recht hoch. Keine Trichterbildung.
Dann setzten wir uns zusammen und besprachen die Befunde:
- leichte Wehen
- Schmerzen
- Muttermund fast verstrichen, also sind die Wehen wirksam
- Großer Kopf
- Dünne Gebärmutterwand (unabhängig von der Narbe)

Man schlug mir vor, bis Samstag (36+0) im KH zu bleiben, weil du dann laut Klinik kein Frühchen mehr wärst, die Ärzte könnten aber eine "Freilassung" verantworten, ich würde nicht auf eigenes Risiko gehen. Also wählte ich diese Alternative und nahm die Empfehlung möglichst viel Magnesium zu nehmen entgegen. Ich musste versprechen, dass ich zurückkomme, sobald die Schmerzen, bzw. Wehen stärker werden, weil sich dann der MuMu sicher noch mehr verkürzt und/oder weitet.

Hier wird es also spannend. Bis 36+0 ist es ja nicht mehr lang. Morgen in einem Monat ist dein ET.

Ich freue mich so auf dich! Und Papa und deine Schwester und all die anderen auch!

Deine hibbelige
Mama:herz:
 

Benutzer107106 

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17.06.17 - Samstag, 36 + 0 , 37. Schwangerschaftswoche, 10. Monat

Liebes Gürkchen,
ab heute würdest du nicht mehr aufgehalten werden, wenn jetzt etwas "passiert". In unserer Klinik werden Kinder ab dieser Woche nicht mehr per se in die Kinderklinik gelegt, du dürftest also bei mir im Zimmer bleiben, wenn du jetzt kommen solltest. Das beruhigt mich, wehe ich nämlich immer noch vor mich hin. Manchmal ist das echt schmerzhaft und vor allem ist es anstrengend. Mein Bauch sitzt mittlerweile richtig tief und er liegt auf meinen Oberschenkeln auf, wenn ich sitze. Das nervt irgendwie...

Ich merke, dass ich am Ende meiner körperlichen Grenzen angelangt bin. Ich bin total k.o. Es ist alles einfach so anstrengend. Ich bin müde, meine Knochen und Muskeln tun mir weh, ich wache nachts stündlich auf (manchmal so, manchmal weil mir was weh tut, manchmal wegen der Wehen oder natürlich weil ich aufs Klo muss), dann liege ich lange nachts wach oder ich träume krankes Zeugs. Eine bequeme Schlafposition finde ich auch nicht mehr. Zu guter Letzt ist mir vor allem ständig warm oder ich habe Durst. Trinke ich nachts noch mehr und muss ich noch öfters zur Toilette. :argh: Ich habe meine Pläne massiv reduziert: Einen Termin am Tag gibt es nur noch. Entweder morgens oder nachmittags. Mehr schaffe ich einfach nicht mehr.

Die Wohnung ist fertig. Was jetzt noch kommt, ist nur noch die Kür. Dein Stubenwagen steht, das Wohnzimmer ist umgestellt, einige Möbelstücke sind aus der Wohnung geflogen, einfach um etwas mehr Platz zu haben.
Eventuell streiche ich noch eine Wohnzimmerwand, bzw. dein Opa und ich schaue zu... Die Babyschale ist im Auto, die Kliniktasche ebenfalls, wenn auch nur mit einer 2. Wahl an Klamotten. Die richtigen Klamotten werde ich erst kurz vor knapp einräumen, aber die brauche ich jetzt ja noch. Einiges meiner Umstandsmode passt nämlich nicht mehr oder ist für die warmen Temperaturen nicht mehr geeignet. Nur werde ich für die letzten Wochen auch nichts mehr nachkaufen. Eigentlich ziehe ich einfach 4 Leggings im Wechsel an und eine handvoll T-Shirts und Kleider mit Tops darunter. Ist es unter 15 Grad, trage ich eine Strickjacke darüber. Frieren tue ich ja eh nicht. Du bist meine kleine Standheizung.

Mein Bauch wächst weiterhin, gleichzeitig habe ich stäääändig Hunger und könnte einfach immer essen. Trotzdem hat sich mein Gewicht nicht mehr verändert. Ich glaube, du verbrauchst einfach ganz viel von dem, was ich zu mir nehme. "Richtiges" Essen schmeckt mir irgendwie gar nicht mehr. Ich muss mich richtig zwingen Dinge wie Süßkartoffelsuppe, Kartoffeln mit Fleisch oder einfach Gemüse und Obst zu essen. Am liebsten würde ich nur Toast nur mit veganer
Nutella, Süßigkeiten, Eis oder Milchreis essen.

Jetzt muss ich nur noch die letzten 2,5 Wochen rumbekommen. Irgendwie... Einerseits sieht das nach total wenig Zeit aus, andererseits weiß ich nicht, was ich noch alles tun soll. So spannend ist das Sortieren von Socken einfach nicht oder das Teetrinken bei deiner Oma.

Naja, wir haben 36 Wochen gemeinsam geschafft, da schaffen wir die letzten 2 jetzt auch noch.

Bis dann,
deine Mama :herz:
 
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Benutzer107106 

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21.06.17 - Mittwoch, 36 + 4 , 37. Schwangerschaftswoche, 10. Monat

Liebes Gürkchen,
diese Nacht endete bereits um 3 Uhr. Eigentlich fühlte ich mich schon gestern seltsam. Genauer kann ich das nicht betiteln. Um 3 Uhr bin ich dann von Narbenschmerzen aufgewacht, plötzlich war da dieses Gefühl, als würde etwas zerreißen. Das war echt unglaublich scheußlich.
Ich habe versucht noch etwas weiter zu schlafen, aber mein Adrenalin ließ das nicht mehr zu. Also wartete ich auf den Tagesanbruch und fuhr dann in die Klinik. Für einen frühen Morgen war es erstaunlich voll und so musste ich erstmal etwas warten.
Zuerst ging es wieder ans CTG. Du hast dich bewegt, deine Herztöne waren gut und Wehen waren auch keine zu sehen. Und ich? Ich war so müde, dass ich eingeschlafen bin. :grin:
Und dann fing die richtige Warterei an. In so einem Kreißsaalwartezimmer trifft sich wirklich der Querschnitt der Gesellschaft. Das ist schon spannend. Da war die vollverschleierte Araberin, die starke Wehen und vor allem große Angst hatte. Da war die Ärztin, die mit ihrem Arzt-Ehemann in Kittel nervös auf Befunde wartete. Da war eine asiatische (indische?) Dame, die sich für ihre Geburt anmeldete. Da war die Dame mit ihrer "lauten" Begleiterin, die eine halbe Stunde lang Leute am Handy zur Schnecke machte. Da war eine junge Afrikanerin mit einem Minibauch, die sehr nervös wirkte. Und mitten drin ich. Mit Blick in die Runde und der Hektik auf dem Flur (es wurden 3 Frauen als Not-KS in den OP geschoben) übte ich mich in Geduld und betete das Mantra: "Ich sollte dankbar sein, kein Notfall zu sein. Wenn man warten kann, ist es nicht so schlimm." Das beruhigte mich etwas, denn bei jeder Bewegung zog es doch arg an der Narbe.

Nach nur 3 weiteren Stunden kam ich dann an die Reihe. Nach einem Ultraschall und einem Tastbefund war klar: Du sitzt schon recht tief im Becken und das dehnt die Narbe. Alte Verwachsungen lösen sich jetzt und das kann dieses reißende Gefühl auslösen. Die Narbe sieht ganz gut aus, ist nur an einer Stelle dünn, aber das ist nicht die Stelle, die schmerzt.
Ich durfte mir abermals aussuchen, ob ich stationär möchte, oder nach Hause will. Ich habe mich für letzteres entschieden.
Während der 5 Std Wartezeit bekam ich unglaublichen Hunger. Also hielt ich auf der Rückfahrt beim Bäcker und schaffte es ein Vollkornbrötchen mit Ei, ein Pizzastück, ein Streuseltaler und einen halben Streifen Zuckerkuchen zu futtern. :grin:
Irgendwie habe ich es nach Hause geschafft und ich bin total übermüdet ins Bett gefallen und konnte nocheinmal 2 Std Schlaf nachzuholen.
Den völlig überhitzten Nachmittag verbrachten wir alle zusammen in unserem Bett und schauten zusammen "Elsa". Deine Schwester war glücklich und Papa und ich konnten etwas entspannen. Es war ein schöner kuscheliger Nachmittag.
Heute Abend brach ich einen neuen Blister mit Vitamintabletten an. Beim Durchzählen der Pillen fiel mir auf: Bevor der Blister aufgebraucht ist, wirst du da sein. Ein unheimliches Gefühl. Und ich bin sooo aufgeregt. Spätestens heute in 14 Tagen bist du bei uns. Noch 2 Wochenenden. Uaaahhh! :whoot:

In 2 Tagen ist die nächste Vorsorge. Mal sehen wie schwer du geschätzt wirst.

Bis ganz, ganz bald!
Deine Mama :herz:
 
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Benutzer107106 

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29.06.17 - Donnerstag, 37 + 5 , 38. Schwangerschaftswoche, 10. Monat

Liebes Gürkchen,
mein Körper kann nicht mehr. Ich baue total ab und das nervt mich. Meine Knochen tun nur noch weh, ich schlafe nicht mehr oder wenn, dann wache ich nach 30-60 Minuten wieder auf, weil ich auf die Toilette muss oder ich träume total kranken Scheiß. Meine Thrombose ist mittlerweile riesig und meine Hüfte kann nicht mehr als 10 Schritte am Stück . Außer Haus bin ich meist mit Krücken unterwegs, wenn ich überhaupt vor die Tür gehe. Eigentlich sitze ich nur noch zuhause. Opa, Papa und eine Freundin holen deine Schwester abwechselnd aus der Kita ab und ich fühle mich etwas von der Zivilisation abgeschnitten. Ohne WhatsApp würde ich total vereinsamen. Natürlich habe ich auch mal wieder eine Blasenentzündung, das ist somit die 7. in 9 Monaten.

Da ich nicht einmal mehr lange am Stück sitzen kann, lebe ich quasi auf dem Sofa, schaue Netflix und surfe im Internet. Bin ich doch mal recht fit, dann nähe ich Babykleidung, den Himmel für deinen Stubenwagen oder Sachen für deine Schwester (Kleider, Puppenwindeln) oder ich bastele Danksagungskarten für Geschenke für dich. Die Wunschliste ist gespickt und ganz zufällig in die eine oder andere WhatsApp-Gruppe gepostet. :grin: Die wichtigen Sachen haben wir ja schon längst, aber es gibt einige Nice-To-Haves, wie die Krabbeldecke, einen Wickelrucksack oder weitere Fläschchen oder Dinge, die wir erst in einigen Monaten brauchen, wie Lätzchen oder den Folgesitz für das Auto, wenn du der Babyschale entwachsen bist. Morgen fahre ich nocheinmal in die Drogerie: Mir fehlt noch eine Flaschenbürste. Ja,mein Leben ist seeehr aufregend :grin:

Am Freitag hatten wir einen Termin bei unserer Ärztin. Sie hatte dich auf 2,8 kg geschätzt. Am Sonntag war ich wegen der starken Schmerzen im Kreißsaal. Dort schätzte man dich auf 3,1 kg. Damit haben wir zum Ende deiner Frühchenzeit auch etwa die 3kg erreicht oder sogar überschritten. Das beruhigt mich ungemein. Dein Kopf sitzt tief im Becken, bei einem Blasensprung muss ich nicht mehr im Liegen transportiert werden.

Der Elterngeldantrag liegt ausgefüllt auf dem Esstisch, wir müssen nur noch die Lohnzettel kopieren. Daher mussten wir uns nun endgültig auf deinen Namen einigen ... und haben uns noch einmal umentschieden. :grin: Der erste Name steht fix, aber wir haben deinen 2. Vornamen noch einmal erändert, denn deine Schwester hatte eine Idee gehabt, die wir gar nicht schlecht fanden und aufgegriffen haben. Jetzt trägst du zufällig unsere Initialien als Namen, das finde ich ehrlich gesagt ziemlich cool.


Soweit zu den harten Fakten.

Was wirklich interessant ist: Die letzte gemeinsame Woche, die wir in Symbiose verbringen ist angebrochen. 6 Tage sind es noch maximal, bis du bei uns bist. Nicht nur deine, meine und Papas Taschen sind gepackt, auch die Tasche deiner Schwester ist bereits bei den Großeltern, wobei die letzten Kleinigkeiten, wie Kuscheltier und Babyphone noch eingepackt werden müssen. Ich merke wie der Brutmodus nun doch auf höchster Stufe fährt und mein Bedürfnis alles fertig zu machen, mich extrem voran treibt. Nur meine Schmerzen hindern mich immer wieder.

Noch 6 Tage. Noch einmal Musikschule, noch einmal Schwimmkurs, noch einmal Wochenende - um es in der Sprache deiner Schwester zu sagen. Leute, die mich treffen, verabschieden sich meist mit einem "und beim nächsten mal dann mit dem Kleinen!" Wahnsinn, es wird also wirklich, wirklich real.

Ich bin so aufgeregt!

Deine Mama :herz:
 
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Benutzer107106 

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30.06.17 - Freitag, 37 + 6 , 38. Schwangerschaftswoche, 10. Monat
Noch 5 Tage

Liebes Gürkchen,
heute nutzte ich den Morgen und war mit Oma und Opa in einer benachbarten Kleinstadt. Zwar waren die kurzen Strecken recht beschwerlich, aber ich musste einfach vor die Tür: Hallo Lagerkoller.
Eigentlich wollte ich ja in eine spezielle Drogerie, in der es Dentistarschnuller gab. Aber erstens habe ich die Gutscheine, die man mir zuschickte, vergessen und dann gab es die Dentistars nur noch in rosa... :kopfwand:Einen habe ich davon mitgenommen, aber glücklich bin ich damit nicht. Dafür habe ich eine Haartönung besorgt ich freue mich, wenn ich die endlich wieder benutzen kann. Ich fühle mich zurzeit sehr mausgrau.

Wie auch immer, den halben Vormittag saß ich mit Oma und Opa im Café auf dem kleinen Marktplatz und aß Brötchen und Waffeln mit Zimt und Zucker. Dabei beobachtete ich eine Mutter mit ihrem Neugeborenen drei Tische weiter. Bald bist du mit dabei! Dann sitze ich mit Baby im Café und versuche einhändig ein Eis zu essen. :grin:

Am Montag muss ich daran denken meinen neuen Perso abzuholen, damit Papa dich dann auch anmelden kann. Neben dem Bürgerbüro ist schönerweise noch ein Rossmann. Vielleicht habe ich dort Glück und bekomme Dentistars in neutraleren Farben. :rolleyes:

Bald kommen Papa und deine Schwester nach Hause. Dann wird es hier trubelig. So lange genieße ich die Ruhe.

Bis in 5 Tagen,
deine Mama :herz:
 

Benutzer107106 

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03.07.17 - Montag, 38+2 , 39. Schwangerschaftswoche, 10. Monat

Noch 36 Stunden :eek:

Liebes Gürkchen,
die letzten gemeinsamen Stunden brechen an. Etwa 36 sind es noch, die wir gemeinsam in dieser speziellen Verbindung verbringen werden. Und wie wohl alle Mütter freue ich mich tierisch auf diesen Moment und werde gleichzeitig etwas wehmütig. Vielleicht sind es die letzten 36 Stunden meines Lebens, in denen ich überhaupt schwanger sein werde, in denen ich einen ganzen kleinen Menschen in mir trage und seine Tritte und mittlerweile nur noch zarten Bewegungen spüre. Aber wie immer markiert ein Abschied einen Neuanfang. Und der Abschied aus dieser einer Schwangerschaft ist ein Start in ein Leben mit dir.
Es ist immer wieder unglaublich, wie man sich für einen Menschen entscheiden kann, ihn lieben kann, bevor er überhaupt da ist, sich auf ihn freuen kann, obwohl man ihn gar nicht kennt. Irgendwie ist das wohl das wirkliche Wunder des Lebens und die wundersame Liebe, wie sie nur zwischen Eltern und ihren Kindern bestehen kann. Und es ist ein riesiges Abenteuer!

Rückblickend war diese Schwangerschaft nicht so hart, wie die mit deiner Schwester. Sie war anstrengend, die Übelkeit kräftezehrend, die Schmerzen an der Narbe beängstigend, die Hüften, die mich lähmten nervig und von der Thrombose müssen wir gar nicht reden, aber im Gesamten betrachtet war es okay und vor allem auch schön. Ich konnte trotz der vielen, vielen Blasenentzündungen und der Kotzerei, dein Wachstum, den Bauch und deine Knuffe sehr genießen. Und auch wenn ich es sehr anstrengend fand, kann ich an dieser Stelle sagen, dass ich mir tatsächlich vorstellen könnte ein drittes Kind zu bekommen. Das hätte ich vor 9 Monaten wirklich nicht gedacht.

Die letzten Tage waren aufregend. Ich lag mit Kontraktionen die halben Nächte wach. Im schönsten 10-Minuten-Abstand zog sich alles in mir zusammen, teils war das wirklich sehr schmerzhaft und ich musste mich zwingen weiter mit dem Schmerz zu atmen. Irgendwann wurde die Intensität aber schwächer und ich kam wieder zur Ruhe. Einige Stunden später bekam ich dann leichte Blutungen. Zum Glück waren wir grad bei meinen Eltern, so konnte deine Schwester einfach dort bleiben und Papa und ich fuhren schnell in die Klinik: Ich hatte weiterhin Wehen, immer noch alle 8-10 Minuten, der Gebärmutterhals war verstrichen, der Muttermund aber noch geschlossen. Deine Herztöne auf dem CTG gefielen nicht so gut, deine Versorgung ist wohl nicht mehr so der Knüller, aber sie sind noch im unteren Rahmen. Aber das erklärt, weshalb du auch ruhiger geworden bist. Daher sollte ich jetzt täglich ans CTG. Das war Sonntag.
Seit dem war ich noch heute bei meiner Frauenärztin, die zu den selben Untersuchungsergebnissen kam. Aber noch geht es dir gut genug. Dir steht keine vorzeitige Zwangsräumung bevor. Sofern die Wehen nicht stärker werden oder meine Fruchtblase platzt, lassen wir dich jetzt die letzten 36 Stunden noch garen.

Du wirst nun auf 3,4 bis 3,6kg geschätzt, bei einer Länge von ca 52cm. Das ist etwas schwerer als deine Schwester gewesen ist. Ich bin gespannt, wie nah die Schätzungen an dein tatsächliches Gewicht kommen.

Aber noch viel gespannter bin ich auf den kleines Gesicht. Ich schaue mir ständig deine Ultraschallbilder an und versuche dieses schwarz-weiß-3D-Bild in ein echtes Menschenbabybild zu verwandeln, aber es gelingt nicht wirklich. Ich sehe eine Stupsnase, volle geschwungene Lippen und ein Grübchen am Kinn, aber trotzdem kann ich daraus nicht wirklich ein Baby machen. Ich frage mich, ob du wohl Haare haben wirst und wenn ja, welche Farbe sie haben werden. Und werden deine Augen wohl eher blau oder grün werden? Wirst du Rechts- oder Linkshänder (wie alle Männer in meiner Familie)?

Wirst du gesund sein und dich schnell an das Leben außerhalb des Uterus gewöhnen? Wirst du gut trinken? Und wird es mit dem Stillen klappen? Viel Neues, was uns erwartet.

Morgen früh geht es also in die Klinik und ich spreche mit den Chirurgen und den Anästhesisten. Ich hoffe, dass wir ein Familienzimmer bekommen und wenn nicht, dann wenigstens für die ersten 2 Nächte ein Einzelzimmer.

Morgen Abend werde ich deine Schwester als Einzelkind bei den Großeltern abgeben - Mittwoch Mittag werde ich sie als große, stolze Schwester wieder sehen. :cry:

Noch 36 Stunden...
Deine Mama :herz:
 

Benutzer107106 

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04.07.17 - Dienstage, 38+3 , 39. Schwangerschaftswoche, 10. Monat

Noch 12 Stunden

Liebes Gürkchen,
in genau 12 Stunden werden wir in den OP geschoben. Eine vollkommen unwirkliche Vorstellung. Ich sitze auf meinem Sofa und ich versuche mir den nächsten Abend vorzustellen, den ich hier verbringen werde; Dann wirst du hier bei uns liegen. Vielleicht gluckst du dann im Stubenwagen, trinkst auf meinem Arm oder machst an Papas Schulter ein Bäuerchen. Und ich merke, dass zwischen der logischen Konsequenz dass auf eine Schwangerschaft ein Baby folgt und des Begreifens von dessen Ausmaß auch bei einem zweiten Kind ganze Welten liegen.

Heute waren wir zur Anmeldung in der Klinik. Das CTG war dieses mal wirklich gut. Ich wehe weiterhin vor mich hin, aber du wirst davon nicht gestresst. Es waren alle sehr zufrieden mit dir. Interessant zu beobachten war deine Reaktion, als man mir Blut abnahm. Dein Herzschlag wurde schneller und gleichzeitig hast du dich nicht mehr bewegt. Da merkt man, wie viel so ein Baby im Bauch doch mitbekommt. Bei der Anästhesistin wurde ich über mögliche Folgen der Spinalen aufgeklärt und sie vergewisserte mir, dass in ihrer langen Laufbahn (die Dame war sicherlich schon 60) noch nie jemand querschnittsgelähmt aus dem OP gebracht wurde. Na, das ist doch ganz wunderbar...

Zurück im Kreißsaal ging es zu einer Assistenzärztin, die mich über die OP als solche aufklärte. Die alte Hautnarbe wird ausgeschnitten, so ensteht eine völlig neue Narbe. Die innere Narbe wird an den Seiten etwas verlängert. Sollte man einen T-Schnitt machen müssen, was sehr unwahrscheinlich ist, da du schon sehr tief sitzt, dann dürfte ich 18 Monate nicht mehr schwanger werden. So oder so ist nach zwei Kaiserschnitten in dieser Kliniken das Thema natürliche Geburt durch. Für mich ist das okay.
Ich bekam Medikamente für den Magen und wurde nach zwei Stunden Rennerei quer durch die Klinik nach Hause geschickt.

Papa und ich wollten die Ruhe vor dem Sturm noch nutzen und fuhren in unser Lieblingsrestaurant, das gutbürgerliche Küche als Mittagsbuffet anbietet. Dein Vater staunte nicht schlecht, als ich mehrere Teller voll mit Spätzle, Kaisergemüse, Fischfilet, Spaghetti Bolognese, Milchreis, Salat, Pudding und Kartoffelauflauf vertilgte. Es war aber sooo lecker und hat sooo gut getan.

Zu Hause haben wir die letzten Spielsachen deiner Schwester eingepackt und sind zu euren Großeltern gefahren. Dort haben wir dann gegrillt. :grin: Das Wohnzimmer von Oma und Opa gleicht einem Spielzeugladen, aber das ist diese Woche nicht mein Problem. Ein letztes Mal habe ich mit meinem kleinen Einzelkind-Mäuschen Bücher gelesen und dein Papa hat mit ihr Brettspiele gespielt. Wir verabschiedeten uns und fuhren so schnell es ging nach Hause: Ein seltsames Gefühl sie bei dieser bedeutungsvollen Veränderungen nur bedingt begleiten zu können.

Aber Oma schrieb, dass sie gut eingeschlafen ist und ich hoffe, dass sie morgen einen guten Start in den Tag hat.

Am Abend klingelte das Telefon und die Hebamme war am Apparat: Deine Geburt wurde auf Platz 1 gesetzt. Wir werden morgen als erstes in den OP kommen. Um 9.00 Uhr sind wir dran, um 7.00 Uhr sollen wir da sein. Ich sorge mich ein bisschen davor, dass ich nüchtern sein soll. Sicherlich wird mir vor Unterzuckerung ganz schlecht, Mal sehen, wie das wird.

Und nun sitze ich hier. Die Kliniktasche wurde noch einmal an den Wetterbericht angepasst (25-30°C in den nächsten Tagen). Der Trockner läuft noch mit dem Bademantel und den Stillkissenbezügen. Der Müll ist rausgebracht, die Spülmaschine ist leer.

Eigentlich ist hier alles fertig.

Nun fehlst nur noch du.

Deine Mama :herz:
 

Benutzer107106 

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Dein Geburtstag

Mein liebes kleines Gürkchen,

nun bist du endlich, endlich da. Dein erster Schrei war eine solche Erleichterung, dass der ganze Stress der letzten Tage, Wochen und Monate wie verflogen war. Dein erster Schrei war der Startschuss in das Leben mit dir. Augenblicke später lagen wir Wange an Wange und ich durfte dich richtig berühren, riechen und streicheln. Diese herrlichen Sekunden werde ich nie vergessen.

Die Nacht auf deinen Geburtstag war schrecklich für mich. Ich habe nicht einschlafen können, und als es dann doch ging, wurde ich morgens um 3 Uhr, keine 90 Minuten später, von so starken Wehen geweckt, dass ich mit Durchfall auf dem Klo festhing. Ja, Kinderkriegen ist nichts elegantes. Vier Stunden war ich wach und baute von Minute zu Minute immer mehr ab: Ich war dehydriert und unterzuckert. Mir war schon um 4.00 Uhr klar, dass das nicht gut enden wird.

Um 6.00 Uhr war mir kotzübel und als ich anfing zu würgen, aß ich verbotener Weise etwas Traubenzucker: Irgendwie musste ich den Blutzuckerspiegel wieder hoch bekommen. Um 7.00 Uhr saßen wir im Auto. Die Fahrt war eine Tortur, weil mir so schrecklich schlecht war. Aber wir schafften es schnell durch den frühmorgendlichen Stadtverkehr. Beladen mit Koffer und Stillkissen gingen wir ins Klinikum. Jeder der uns sah, grinste uns entgegen: Man sah uns unser Vorhaben wohl an. :grin:

Im Kreißsaal ging es nun schnell voran. Ich wurde an ein CTG gehangen und bekam 2l Infusionen. Die haben immerhin ein bisschen geholfen, kühlten mich aber so ab, dass ich stark zitterte, und das bei 30°C Außentemperatur. Die Hebamme, Papa und ich witzelten etwas herum und wir sollten zum ersten Mal deinen Namen offiziell sagen, denn du wurdest als Patient in die Krankenhausakte aufgenommen und die Hebamme beschriftete dein U-Heft und dein Armband. Wir guckten uns ein letztes Mal an, nickten uns zu und gaben das offizielle Go für deine Identität. Irgendwie machte dein geschriebener Name auf einem U-Heft alles noch realer.

Es klopfte an der Tür und es es hieß: Es geht los! Ich schaute ein letztes Mal auf die Uhr: 8.59 Uhr zeigte sie an. Bei deiner Schwester waren wir in 40 Minuten zurück gewesen. Wer weiß, vielleicht bis du ein 9.30-Uhr-Kind? Bei deiner Schwester war es so gewesen: Voll rein in den OP, halb war sie da. Ich war also gespannt. Man fuhr mein Bett bis zur OP-Schleuse, dein Papa verschwand in der Umkleide und ich passierte die Eingangstür, mit blankem Hintern zur Belustigung für die Öffentlichkeit. Man führte mich zu der Pritsche und ich sollte mich wieder seitlich hinsetzen. Ein Pfleger stellte sich vor und erklärte mir einige Dinge. Mir ging es nicht gut. Ich war blass, ich zitterte, mir war eiskalt, mir war übel und aufgrund meines körperlichen Zustands bekam ich Beklemmungen. Leider interpretierten der Pfleger und die Hebamme dies als Angst vor der Gesamtsituation und versuchten mich durch Streicheln, behutsame Worte und gutes Zureden zu beruhigen. Irgendwie machte das alles nur noch schlimmer und ich fing aus reiner Anspannung an zu Heulen. Ich war genervt von mir selbst und körperlich völlig erledigt.

Der Anästhesist war eher nach meinem Geschmack: Freundlich, aber nüchtern erklärte er mir das Vorgehen und setzte treffsicher und schmerzfrei die Spinale. Man legte mich auf den Rücken, lagerte die Beine in den Schalen – und mir wurde das erste mal schwarz vor Augen. Jetzt fing das lustige Spiel an, im dem man versuchte meinen Kreislauf möglichst hoch und mein Bewusstsein überhaupt zu erhalten. Die Arme sollte ich in die dafür vorgesehene Schalen legen, aber es ging nicht. Die Spinale war zu sehr hoch gewandert. Ich konnte sie nur noch spüren, nicht mehr rühren. Ich wurde umgelagert, bekam in 2 Minuten Abständen Spritzen in den Zugang und dein Papa bekam die Aufgabe mich mit Eiswasser immer und immer wieder abzuwaschen. So hatte ich mir deine Geburt nicht vorgestellt… also heulte ich noch ein bisschen mehr. Ich verlor sämtliches Gefühl von Zeit und Raum. Ich sah nur noch verschwommen, Geräusche waren dumpf. Immer wieder fummelte man an mir herum, spritzte mir etwas, stellte mir Fragen, die ich beantworten sollte.

Die Chirurgin kam und redete mir gut zu, wir kannten uns von letztem Sonntag und der OP-Aufklärung vom Vortag. Endlich fing die Sectio an. Ich hörte ein Gurgeln und spürte ein Ruckeln und dann… nichts. Der Anästhesist sagte in weiter Ferne „och nöö“ - und ich schlief ein. Durch einen Adrenalinschub und einem Schwall Eiswasser wurde ich wieder wach. „Frau Lulu, wach bleiben!“, befahl mir der Arzt. Ich versuchte es ja, aber es gelang mir nicht sehr. Plötzlich kam ein „was ist das?“ hinter dem Vorhang hervor und wir hörten deinen ersten Schrei. „Das ist aber selten!“ beschied die Hebamme und brachte uns 1 Minute später ein brüllendes Handtuchpaket. Ich war neugierig und das hielt mich wach.

Ich versuchte deine Stimme einzuordnen und fand es erstaunlich wie völlig anders sie im Vergleich zu deiner Schwester klang. Das war also dein kleines Stimmchen. Der erste Teil deiner Persönlichkeit, den wir kennen lernen durften. Die Hebamme legte dich neben mich und hielt dich fest. Richtig sehen konnte ich dich nicht, ich sah nur rosa Fleisch. Aber ich spürte deine Bewegungen, roch dich, fühlte deine samtig-weiche Haut und genoss jeden Quadratzentimeter deiner wundervollen Babyhaut. Nach einigen Minuten nahm man dich herüber zu den Kinderärzten. Papa beobachtete akribisch durch die Glasscheibe was sich dort ereignete und berichtete mir. Mir ging es deutlich besser. Die Hormone, das körpereigene Adrenalin und auch das fehlende Gewicht auf meinem Bauch verbesserten meinen Kreislauf zusehends. Die Hebamme erklärte, dass du angefangen hattest zu schreien, als nur dein Kopf geboren war. Dein Körper war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht draußen. Du gehörst wohl zu der eiligen Sorte. Das hatte die Belegschaft auf der Südseite des Tuchs doch sehr belustigt.

Als eine Pflegerin am Fenster Döllekes mit dir machte, schickte die Hebamme deinen Papa zurück in die Umkleide. Er bekam dich in die Hand und wartete vor der Schleuse auf mich. Ich wurde umgebettet und zurück gefahren. Mir fehlen immer wieder einzelne Meter von dem Weg und auch von den Minuten nach der OP ist nicht alles vorhanden; mein Gehirn war wohl doch etwas ausgeschaltet. Wir fuhren auch nicht mehr zurück in den Kreißsaal,sondern in den Beobachtungsraum, der Vorstufe der Intensivstation. Ich wurde verkabelt und man legte mich auf die Seite. Man zog uns beide aus, legte dich in meine Arme und dockte dich an. Sofort warst du hellaufbegeistert und ich stillte dich, auch wenn ich meine Arme kaum bewegen konnte. Ich war einfach nur glücklich, dass du bei mir bleiben durftest. Die Spinale war immer noch zu spüren. Nach 15 Minuten war die Mobilität im Oberkörper aber wieder da. Weitere Infusionen weckten die Lebensgeister in mir. Ich streichelte deine weichen Haare, fuhr mit den Fingern deine Konturen nach. Du hast einen Knick im Ohr, leichten Flaum auf Backen und Rücken. Deine Haut ist sooo weich und warm. Irgendwann holte die Hebamme dich und legte dich auf den Wickeltisch neben meinem Bett. Damit ich zuschauen kann, drehen Papa und sie mich um. Papa stellte sich neben sie und darf dich mit ausmessen (51cm, 3400g) und sie zeigt ihm, wie man einen Jungen wickelt. Ach so, ja – da war ja was. Du bist wirklich ein Junge. In den letzten 9 Monaten habe ich mich immer wieder gefragt, ob ich mich einem Jungen gegenüber genauso emotional öffnen kann, wie einem Mädchen. Ich las im Internet und war froh mit meinen Gedanken und Ängsten nicht alleine zu sein. Aber die meisten Frauen berichteten, dass es egal ist, sobald das Baby da ist. Es war mir sogar so egal, dass ich daran gar nicht mehr dachte. Du lagst dort und warst einfach nur perfekt. So klein, so süß, so wunderschön und einfach nur mein Baby. Mein wunder-, wunderbarer kleiner Sohn.

Die nächsten Tage sollten mir zeigen, dass eine Geburt als Kaiserschnitt sicherlich nicht irgendwie einfacherer oder planbarer ist, nur weil man ein Datum hat. Mir ging es körperlich ziemlich schlecht. Die Hitze, die Schwüle, die Schmerzen, mein Kreislauf, das war zu viel für mich und die ersten drei Mal bin ich am Arm der Schwestern zusammengeklappt. Ein ekeliges Gefühl, wenn plötzlich die Lichter im eigenen Kopf ausgehen, es laut klingelt und man alles um einen herum wie durch Watte wahrnimmt. Vom Bad zum Bett musste man mich 2x tragen, einmal kam ich gar nicht erst so weit. Aber irgendwann ging es bergauf und ich konnte wieder aufstehen. Und auch, wenn die OP und die 48 Std danach nicht so wunderbar verliefen, wie bei deiner Schwester, hast du mich mit vielem versöhnt. Du bist ein Naturtalentstiller und hast mir vieles so einfach gemacht. Es klappte einfach, solange ich meine Milch reguliere, stillst du wie ein Weltmeister. Auch so habe ich als Mutter schlicht mehr Selbstvertrauen. Ich habe vieles anders gemacht, als man mir riet, weil ich wusste, dass ich recht habe. Ich kenne dich schließlich. Ich bin ja deine Mama. Und auch die Schmerzen sind mir nicht fremd, ich kann dieses mal besser mit ihnen umgehen und Dinge durch leichte Atemübungen und Drehungen sehr viel einfacherer und schmerzfreier gestalten.

Heute ist bereits dein 5. Lebenstag und wir sind seit über 24 Stunden zu Hause. Du machst das alles ganz wunderbar. Wir schlafen zu dritt in unserem Ehebett, du in der Mitte und wirst vollgestillt. Ganz ohne Pumpe und Flasche. Tagsüber verlasse ich das Bett kaum. Mir geht es noch immer nicht sehr gut und ich habe auch noch mit Schmerzen zu kämpfen. Die Narbe ist jetzt etwas größer als zuvor, aber ich konnte sie schon im Spiegel ansehen, ohne dass mir schlecht wird. Auch meinen Bauch kann ich wieder anfassen. Ich muss nur noch regenerieren. Also machen wir das, was wir sollen: Chillen und Stillen.

Ob dies mein letztes Tagebuch ist? Ich hoffe nicht. Die Vorstellung nie wieder diese magischen ersten Minuten erleben zu dürfen macht mich richtig traurig. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Gerade habe ich dir zugeflüstert, wie lieb ich dich habe. Du hast gegrinst.

Ich bin so, so glücklich und dankbar, dass du da bist! Ich könnte mir kein perfekteres Baby vorstellen.



Deine Mama
:herz::herz::herz:
 
1 Monat(e) später

Benutzer107106 

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Redakteur
Mein liebes Gürkchen,

du bist nun schon in deiner 6. Lebenswoche.
Du bist ein ganz liebes und pflegeleichtes Baby, wenn man die Tatsache ausschließt, dass du tagsüber schläft und nachts wach bist.
Das mit dem Stillen war dann doch nicht so leicht und toll, wie zuerst gedacht. Du hattest unglaublich abgenommen und nicht genug getrunken. Du warst immer moserig, hast ständig geweint. Nach einigen Tagen war mir klar: Du warst hungrig. Zuerst pumpte ich ab, das hatte sehr geholfen. So trankst du mehr und hattest auch wieder zugenommen. Mit Pre fing ich an zuzufüttern. Leider bekam ich auch dieses mal wieder heftige Milchstaus und die Milch versiegte binnen Stunden. Mittlerweile mussten wir auf 1er Nahrung umstellen, da du solche extremen Mengen getrunken hast: Alle 2,5 Std 170ml, war doch etwas viel für ein 4-5 Wochen alten Säugling. Jetzt mit der 1er trinkst du noch immer 170-200ml, aber nur noch alle 3-4 Stunden. Du wirkst nicht mehr so dauerhungrig und auch dein Bauch macht den großen Abstand besser mit, als die kurzen. Dein kleiner Körper war mit den riesigen Milchmengen schlicht und ergreifend überfordert.

Du bereicherst unser Familie sehr. Deine Schwester liebt dich, küsst und streichelt dich, malt dir Bilder in der Kita und ist immer noch ganz stolz auf dich.
Oma und Opa (meine Eltern) hätten es am liebsten, wir kämen täglich zu Besuch. Recht häufig nehmen wir das Angebot sogar an, wenn auch nicht täglich. Dort bekommen wir eine warme Mahlzeit, ich kann etwas schlafen und ich weiß dich und deine Schwester in guten Händen. Und manchmal bin ich sogar noch so dreißt und bringe etwas Wäsche mit. Zwei Rentnereltern sind wahrer Luxus.

Mein Körper schaltet langsam auf Normalmodus um. Die Narbe sieht sehr gut, keine Schwellung ist mehr zu sehen und sie ist nur noch ein roter Strich. Der Bauch wird von Woche zu Woche flacher, auch wenn es merklich langsamer von statten geht, als bei der ersten Schwangerschaft. Die Brüste sind wieder weich und leer und damit auch nicht mehr schmerzhaft. Ein herrliches Gefühl. Nicht ganz so herrlich ist, dass ich sogar meine erste Periode wieder habe. Darauf hätte ich gut und gerne noch etwas verzichten können. Überrascht hat es mich nicht, schließlich war es bei deiner Schwester genauso. Ich versuche nun langsam die letzten Pfunde los zu werden und achte etwas mehr auf meine Ernährung, in drei Wochen beginnt die Rückbildungsgymnastik.

Das Leben normalisiert sich, trotz des Schlafmangels. Wir kommen in einen Takt. Normalität kann etwas schönes sein.

Ich bin gespannt, wie sich das Familienleben in den nächsten Jahren gestaltet. Wie du dich wohl entwickeln wirst? Bleiben deine Augen blau oder werden sie grün-grau, wie die deines Schwester und deines Vaters? Fallen deine braunen Haare aus und kommen blonde nach oder bleibst du dunkel, wie dein Vater? Wirst du ein riesiger Kerl, wie die Männer meiner Familie, oder eher durchschnittlich, wie die Männer in Papas Familie?

Ebenso bin ich gespannt, ob du unser letztes Kind bleiben wirst oder ob du zum Sandwichkind befördert wirst. Auch das werden wir erst in den kommenden Jahren erfahren.

Jetzt genießen wir die Zeit mit dir, du schrecklich süßer, kleiner Kerl. Ich trage dich so gerne in der Trage und ich finde es so schön, mit dir zur kuscheln. Ich freue mich auf ein Jahr Elternzeit mit dir.

Deine Mama

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