1 + 1 = 3

Benutzer107106 

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Montag, 29.01.2013, 27+4, 28. SSW
Hallo Böhnchen,
diese Woche beginnt mit einem außerplanmäßigen CTG. Seit Sonntagabend war mir schlecht, zum Teil so sehr, dass ich mich fast übergeben habe. Dann kamen komische Krämpfe dazu und seit heute morgen starke Oberbauchschmerzen. Ich hatte Angst vor einer Schwangerschaftsvergiftung und bin dann 2 Stunden vor einer wichtigen Klausur noch zum Frauenarzt gerannt. Die Sprechstundenhilfe war aber super freundlich, hat mich sofort ans CTG angeschlossen und mich danach auch, nach dem ich ihr die Situation mit der Klausur erklärt habe, sofort ins Sprechzimmer geholt. Glück gehabt: Urintest negativ, keine Wehen, sehr gute Herztöne, der übliche niedrige Blutdruck: Also keine SS-Vergiftung.

Da Papa seit dem Wochenende auch mit Magen-Darm-Beschwerden zu tun hat, habe ich wohl nur einen blöden Infekt. Trotzdem schrillen einem in einem solchen Moment alle Alarmglocken. Eine Sache habe ich daraus gelernt: ich habe zumindest eine provisorische Kliniktasche gepackt: 2 Schlafanzüge, eine Hausjacke, Schlappen, Unterwäsche, ein Buch und einen kleinen Kulturbeutel habe ich heute Abend schon mal zusammen gepackt. Damit würde ich zumindest 2 Tage in einer Klinik überleben, sollte doch noch mal spontan so etwas passieren.

Oma und Opa haben deine Wiege auf Vordermann gebracht. Darin lagen schon dein Onkel, ein Cousin von mir und ich. Du bekommst natürlich eine neue Matratze und einen neuen Himmel + passendem Nestchen. Evtl. bestelle ich einen in Amerika zu meiner Freundin dort. Deren Bruder kann mir das dann nach seinem Besuch bei ihr im Frühjahr mitbringen. Ich muss Papa nur von dem sehr kitschigen Bezug überreden. :zwinker:

Heute haben wir die letzten Zusatzteile für die Voliere gekauft. Ab morgen werden wir anfangen die Voliere zu vergrößern und am Wochenende werden die Geier für dich weichen. Ui das wird ein Krabatz :grin: Nach dem ich eine meiner Mädels letzte Woche schon aus dem Wohnzimmer keschern musste, nach dem Madam dreist durch einen winzigen Türspalt getapst sein muss und sich so in den Nebenraum verirrt hatte, wird man sich sicherlich gar nicht darüber freuen komplett eingefangen zu werden. (O-Ton deines Papa: "Hat Moony etwas angestellt, dass sie nun alleine im Wohnzimmer auf der Gardinenstange sitzen muss, oder sollen wir sie lieber wieder zu den anderen setzten?")

Morgen endet die Autozeit. Opa hat endlich keinen Krankenschein mehr und muss jetzt wieder zur Arbeit. Hach waren das (für mich, nicht für Opa) tolle 2 Monate. jetzt muss ich mich wieder an die blöden öffentlichen Verkehrsmittel gewöhnen.

Wir haben diese Woche die letzte Uniwoche. Mittwoch habe ich mein letztes Seminar für dieses und nächstes Semester. Die nächste Pflichtstunde an der Uni habe ich dann erst wieder im Oktober. (Abgesehen von weiteren Klausuren und Abgabeterminen).

Du siehst: Wir haben weiterhin viel zu tun. Aber wir machen auch schöne Dinge und waren auch an diesem Wochenende wieder aus. Das haben wir uns jetzt vorgenommen bis du da bist: Jede Woche ein mal ausgehen, und wenn es nur ein Vitamalz in unserer Lieblingskneipe ist, oder ein Spieleabend mit Pizza bei Freunden.

Immer wenn mir langweilig ist, bastel ich an deinem Tagebuch: Ich übertrage diese Einträge, überarbeite und personalisiere sie, füge Bilder hinzu und erstelle so ein Fotobuch. Ich würde es dir gerne zu deinem 18. Geburtstag schenken. Mal sehen, ob ich es so lange aushalte :zwinker:

Deine Mama
 
1 Woche(n) später

Benutzer107106 

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Montag, 07.02.2013, 29 + 0, 30. SWS

Mein liebes Böhnchen,
nur noch 10 Wochen??? Oder noch ganze 10 Wochen??? Ich kann es gar nicht ganz fassen.
Papa und ich sind langsam richtig aufgeregt! Meine Maße sind die einer Litfaßsäule: 105, 105, 105 :grin:

Die letzte Woche war anstrengend aber sie hat auch Spaß gemacht: Endlich Semesterferien! Das ist für mich schön, für Papa aber vor allem stressig. Der schreibt jetzt eine Klausur nach der nächsten, muss eine mündliche Prüfung und eine Projektarbeit machen. Er verschanzt sich daher recht viel im Büro. Apropos Büro: Da leben jetzt unsere Geier in ihrer neuen Großvoliere. Der Umzug hat uns einen ganzen Tag gekostet, Papa hatte vom vielen schrauben vom Aufbau des Volierenabaus hinter Schwielen an den Händen und ich habe geputzt und gesaugt wie eine Wahnsinnige, aber am Ende waren alle glücklich. Jetzt ist dein Zimmer so gut wie leer und wartet auf seine Renovierung und die neuen Möbel, die am Ende des Monats kommen.

Das Baby meiner Cousine ist auf dem Wege der Besserung. Der kleine Mann konnte die Intensivstation verlassen und trinkt mittlerweile auch komplett selbstständig. Auch die Schmerzmittel konnten bereits abgesetzt werden. Alle Ärzte sind sehr, sehr zufrieden mit ihm und wir sind natürlich alle sehr erleichtert. Bald darf er nach Hause. Er ist nun ein richtig normales Baby, das schreit, schläft und pupst :zwinker:

Ich war diese Woche wieder bei der Hebamme. Die meinte nur zu mir: "Sie sind ja sowas von einfach!" Mein CTG ist gut: Keine Wehen, gute Kindsbewegungen und dein Herz schlägt wie es soll. Ich habe ihr mein Leid geklagt, dass ich von dieser doofen Liege immer nicht mehr runter komme, weil sie so unbequem ist und danach mein Rücken so weh tut, dass ich da liege wie eine Schildkröte auf dem Rücken. Sie meinte da nur: "Hätten Sie das mal eher gesagt, man kann das CTG auch auf dem Sessel schreiben!" Sehr gut, das werde ich das nächste mal probieren. Angeblich sind meine Eisenwerte ja zutief, was mich wundert, weil sie im Dezember ja noch so toll gewesen sein sollen. Nun ja, ich weigere mich jetzt starke Eisenpräparate zu nehmen und trinke jetzt viel Traubensaft, esse rote Beete und Rindfleisch und hoffe dass es so wieder ohne Tabletten besser wird. Die will ich nämlich nicht nehmen, mir ist so noch oft genug schlecht.

Ich habe angefangen Danksagungskarten für dich zu basteln. Die ersten 25 sind fertig. Wir sind uns nun auch zu 99,99% sicher, dass der Name, den wir nun endlich für dich ausgesucht haben, auch der bleiben wird. Wirklich beschriften werde ich die Karten aber erst nach dem nächsten Ultraschall, falls doch noch eine Überraschung kommt...

Sonst gehen Papa und ich weiterhin regelmäßig schwimmen. Das Schwimmen tut gut, das Planschen macht Spaß und am tollsten finde ich die Dusche. Häufig habe ich Glück und bin ganz alleine in der 10-Mann (bzw. Frau)-Dusche. Gibt es etwas tolleres, als eine riesige, heiße Dusche? Allein das ist den Eintritt schon wert :grin:

Dieses Wochenende werden wir mit dem Renovieren deines Zimmers anfangen. Wir haben ja ach so große Pläne, aber ob sich das alles so umsetzten lässt? Wir werden sehen.
Deine Mama
 

Benutzer107106 

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Mittwoch, 12.02.2013, 29 + 5, 30. SWS

Hallo Böhnchen,
also das CTG-Gerät scheinst du nicht zu mögen? Du drehst immer total auf und boxt ständig gegen diese Messdinger :grin: Das ist vor allem deshalb doof, weil du manchmal so doll trittst, dass die Gurte verrutschen und man die Scheiben neu auflegen muss. Berufsziel: Kickboxerin? Das CTG war wieder völlig in Ordnung, keine Wehen, gute Herztöne und ordentliche Kindsbewegungen.

Da Papa heute eine Klausur hat, war man so nett uns erst zum Ultraschall zu lassen und danach ins Besprechungszimmer zu holen, bzw. war ich dann alleine. Auch dort alles wunderbar: Muttermund weiterhin geschlossen, keine Infektionsanzeichen oder sonstigen Probleme.
Der Ultraschall war wie immer völlig in Ordnung: Kleinhirn ist okay, das Herz auch immer noch, da verzeihe ich dir auch, dass du immer die Hände vors Gesicht hältst, sodass man wirklich nichts auf dem 3D-Ultraschall erkennen kann. Die sonstigen Messungen machen sonst eher mir Sorgen: Du bist unglaublich groß! Du wurdest nun 2 Wochen vorgestuft! Weit über 1,5 Kilo wiegst du nun schon. Und dein Kopf hat einen echt hohen Kopfumfang (ohne, dass es auf eine Krankheit hindeutet).

Wir haben am Wochenende nun dein Kinderzimmer fertig gestellt, sodass jetzt nächsten Donnerstag die Möbel kommen können. Wir haben fleißig Tapeten gekratzt, neue geklebt und einen halben Wald an die andere Wand gemalt. Sieht toll aus (wer Fotos möchte, bitte per PN melden).

Tja und sonst? Du hältst mich mittlerweile nachts ganz schön auf Trapp. Ich drehe mich nachts leider sehr oft, bin also eher ein schnarchender Dönerspieß. Nur leider habe ich bei jeder Drehung das Gefühl, dass die Blase überschwappt. Also renne ich alle 30 Minuten zur Toilette. So kann man nicht schlafen, Kind!

In den letzten 2 Wochen habe ich ganz schön zugenommen. Ich würde mich gerne mehr bewegen, aber das geht nicht. Es ist zu kalt und meinen Wintermantel bekomme ich nicht mehr zu. Die anderen Jacken die passen, sind entweder vergleichsweise dünn oder recht kurz und ich bin doch eine Frostbeule. Jetzt hoffe ich, dass es bald einfach einige Grad wärmer wird und dann kann ich auch endlich wieder in den Wald.

Nächste Woche geht es als Ausstellerin auf eine Messe. Das wird noch mal anstrengend, aber ich freue mich schon. Ich mag Messen :smile: Ich hoffe nur, dass unser Stand in der Nähe einer Toilette ist :grin:

Abgesehen vom Muskelkater in den Beinen vom Renovieren und den nächtlichen Ruhestörungen bin ich also topfit. So macht schwanger sein Spaß,
deine Mama!
 

Benutzer107106 

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Dienstag, 19.02.2013, 31 + 5, 31. SWS

Hallo Böhnchen,
ai ai ai. jetzt waren wir gestern bei der Kreißsaal-Besichtigung und irgendwie ist mir jetzt bewusst geworden, dass du bald bei mir ausziehen wirst. Egal wie, aber raus wirst du kommen. Die Klinik hat 6 Kreißsäle + Wehenzimmer, kann zusätzliche Untersuchungsräume noch umbauen, falls nötig (war es dieses Wochenende zum ersten mal, da 14 Kinder binnen knappen 48 Stunden zu Welt kamen). Zusätzlich sind 2 Operationssäle auf der Station und mit einer Durchreiche zwischen den beiden OPs zu einem Kind-Erstversorgungsraum, also ein Intensivzimmer inklusive kleinem OP für Neugeborene. Direkt an die Station angrenzend ist eine sehr groß Neointensiv. Die Station selbst besteht nur aus 1 bis 3 Bettzimmern und wenn nicht gerade 14 Babys geboren werden, ist die Chance auf ein Familienzimmer recht groß.

Der Abend startete in einem Besprechungssaal im alten Gebäude der Frauenklinik. Dort haben sich leitender Oberarzt, eine Assistenzärztin und eine der leitenden Hebammen vorgestellt. Es wurde noch einmal erklärt, dass das Krankenhaus für Risikoschwangerschaften und -geburten ausgelegt ist (vor allem Frühchen, Diabetispatientinnen und Mehrlingsschwangerschaften) und dass daher immer ein besonders großer Stab an Ärzten, Hebammen und sonstigen medizinischem Personal auf den Gyn.-Stationen ist. Für uns ist die Klinik einfach die nächste :zwinker:
Sie haben außerdem erklärt, dass man sich von den hohen Kaiserschnittraten nicht abschrecken lassen soll (über 40%). Die legen eben genau an den Risiko-Schwangeren die alle aus einem Umfeld von weit über 50km in diese Klinik überwiesen werden und daher dort entbinden. Viele Frühchen und Mehrlinge werden nun mal per Sectio entbunden. Bei Geburten die vaginal beginnen und in einem Kaiserschnitt enden ist die Klinik mit ihrer 12%-Abbruchsquote im normalen Bereich. Irgendwie gut zu wissen.
Nach der ersten Einführung wurde uns die Anfahrt und der Empfang auf der Entbindungsstation gezeigt. Auf dem Weg in den Kreißsaal hörten wir eine Frau ganz schön laut wimmern und stöhnen. Mitleidig trottet wir an ihrem Kreißsaal entlang und schauten uns den Vorzeige-Saal an: Große Wanne, tolles Kreißbett (1,20 breit, schätze ich), kleines Bad mit Dusche und die Möglichkeit einen Mp3-Player in die Stereoanlage zu stecken. Sehr sympatisch. Das Licht kann man dimmen und wer mag darf sie Killefitt jeder Art mitbringen. Den Vätern wurde explizit geraten sich Jogginghosen und Latschen mit zubringen, sodass sie bei einer längeren Geburt sich gerne mit ins Kreißbett legen können, etwas mehr Bewegungsfreiheit haben und zu guter Letzt es auch einfach bequem haben. Papa freuts, er packt gerade sein eigenes Klinik-Täschchen.
Wie ich uns beide kenne, nehmen wir einen Laptop mit und einige "How I met Your Mother"- Staffeln, oder so :grin: Könnte ja sein, dass es länger dauert :zwinker:
Als wir aus dem Kreißsaal zurück gingen, schrie die Frau nicht mehr, dafür ihr Kind. Das war ziemlich surreal, ehrlich gesagt. Ekelig wurde es, als im "Entsorgungsraum" die Plazenta auf dem Tisch lag. Warum musste ich in genau diesem Moment, genau da hin schauen? Naja,..
Die Station selbst ist wirklich schön, sehr hell und freundlich. Frühstück und Abendbrot gibt es als Buffet in einem kleinen Speisesaal. Väter dürfen mit einem kleinen Aufpreis den ganzen Tag mit essen. Wahrscheinlich wird Papa die ersten 1, 2 Tage, sofern das platz-technisch möglich ist, mit mir ein Familienzimmer belegen. Danach wird er schon mal nach Hause gehen, die letzten Sachen besorgen und den Kinderwagen holen. Außerdem muss ja jemand die Geier füttern.

Irgendwie waren wir beide von den Eindrücken der Klinik etwas geplättet. Den Abend haben wir daher bei einem Hamburger und einer Waldmeisterlimo in der Innenstadt ausklingen lassen. Auf der Rückfahrt haben wir getestet, dass ein Taxi von der Klinik bis zur Haustür keine 15 € kostet. Das Geld packen wir jetzt auch noch in die Kliniktasche. Man kann ja nie wissen.

Übermorgen kommen deine Kinderzimmermöbel! Die Zeit rast nur so an uns vorbei!
Deine Mama
 

Benutzer107106 

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Samstag, 23.02.2013, 31+2, 32. SWS
Hallo Böhnchen,
das war eine Woche der Rödelei und der vielen Arbeit!
1) 1) Habe ich als Ausstellerin auf einer Messe gearbeitet. Das ist einfach anstrengend, macht aber auch Spaß. Und bringt vor allem Geld :grin:
2) 2) Dein Kinderzimmer wurde geliefert! Papa hat es sofort aufgebaut. Nach zwei langen Tagen stehen nun Bett, Schrank und Kommode! Dann mussten wir die Sachen noch in die jeweils richtige Ecke schieben und auf Nebensächlichkeiten achten, wie zu bedenken, dass man Fenster und Türen auch noch öffnen und schließen können sollte. Dadurch passte dann doch alles nicht so, wie gewollt, aber nun hat jedes Möbelstück, inklusive der Kuschelcouch, einen Platz! Wir haben außerdem die Gardinen gekürzt und aufgehängt und alles gut geputzt; zur Feier des Tages sogar das Fenster! Jetzt lüften wir die Möbelstücke noch etwas aus und dann wasche ich deine Kleidungsstücke und räume sie langsam ein. (Bilder des fertigen Zimmers auf Anfrage per PN)

Papa ist zurzeit leider krank. Ich hoffe, dass ich mich mit der doofen Magen-Darm-Grippe nicht angesteckt habe. Zum Glück hat er alle wichtigen Klausuren schon geschrieben. Für den Nachschreibetermin hat er nämlich keine Zeit :zwinker:
Eigentlich hatte ich ja auf Frühling und Bewegung gehofft, aber irgendwie ist mir das nicht gegönnt: Es schneit und taut und schneit wieder. Mehr als ab und an eine Runde um den Block, zum Supermarkt und zurück oder zur Bushaltestelle ist mir irgendwie nicht gegönnt.

Da es mir in den letzten Tagen körperlich immer mal wieder nicht so doll ging, habe ich meine Ernährung rigoroser umgestellt: Ich esse seit einer Woche nur noch Vollkornbrot oder Müsli, trinke mehr Wasser und Tee als Saft, esse mehr Obst und Nüsse und weniger Süßes – und große Überraschung – mir geht es besser! So soll es sein, so darf es bleiben.

Meine kleinen Wehwehchen, wie nächtliche starke Hüftschmerzen und sehr häufiges Aufwachen sind leider geblieben. Da helfen auch kein Kuschel-U und keine Postitionswechsel. Aber irgendwie brauche ich zurzeit einfach nicht mehr so viel Schlaf. Wenn ich mit weniger Schlaf immer noch fit bin, dann soll es mir recht sein!

Zu guter Letzt schreibe ich nicht nur an diesem Tagebuch für dich und bestücke es mit vielen, vielen Bildern, ich habe nun auch angefangen die Lieder, die mich in den letzten Monaten begleitet haben zu sammeln und aufzuschreiben. Ich werde sie nach deiner Geburt auf eine CD brennen und in dieses Tagebuch hinten einkleben. Ob es wohl noch CD-Spieler geben wird, wenn du mal 18 wirst? Zur Not fragst du einfach deine Großeltern, die werden diese Steinzeittechnik dann wohl noch besitzen.

Deine langsam doch nicht mehr ganz so dünne
Mama
 
1 Woche(n) später

Benutzer107106 

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Mittwoch, 06.03.2013, 32 + 5, 33. SWS, 9. Monat

Hallo mein kleines, strampelndes und mich tretendes Böhnchen,

gerade waren wir wieder bei der Hebamme und das CTG war wieder ganz wunderbar. Keine Wehen, gute Kindsbewegungen (okay dafür brauche ich kein CTG) und deine Herztöne sind auch sehr gut. Die Hebamme hat meine Angst vorm großen Kind sehr ernst genommen und mich beruhigt. Zum einen meinte sie, dass man, wenn man Angst hat schnell verkrampft. Sollte das bei mir der Fall sein, würde sie mir zu einer recht frühen PDA raten. Das würde zwar unter Umständen den Geburtsverlauf verlangsamen, aber das Gewebe ist das dann weicher und durchlässiger. Zwar bin ich nicht super heiß auf die PDA, da es aber ein großes Krankenhaus ist, hat die Entbindungsstation einen eigenen Anästhesisten, der den ganzen lieben langen Tag ja quasi nichts anderes macht als PDAs zu legen. Das ist irgenwie ein gutes Gefühl.
Solltest du bei den Ultraschalluntersuchungen meine Befürchtung wahr machen, würde man ja eh sofort in den Kaiserschnitt gehen. Ich habe die Überweisung in die Klinik heute bekommen und werde gleich, wenn Papa zu Hause ist, einen Termin machen, damit wir gemeinsam zur Besprechung gehen können.

Bei meiner Hebamme habe ich mich immer insgeheim gefragt, ob sie wohl selbst Kinder hat. Manchmal wirkten ihre Tipps irgendwie "theoretisch" was ja an sich nicht schlimm ist. Ich vertraue ja auch meinem männlichen Frauenarzt und der war ja auch definitiv noch nie schwanger :zwinker: Die Antwort hat sie mir heute aber indirekt selbst gegeben, ohne dass ich ihr die Frage stellen musste, nach dem sie mir von ihrer Lebensgefährtin erzählt hatte. :zwinker:

Letzte Woche habe ich wegen des Wetters noch genörgelt: Jetzt ist der Frühling mit seinen 15°C da. Papa und ich haben daher Omas Bettlägerigkeit gestern ausgenutzt: Wer krank ist braucht sein Auto nicht, daher haben wir ihr erst eine Verlängerung ihres Krankenscheins geholt und sind dann nach Venlo gefahren: Das Kaffee-Mecka der Ruhrpottler direkt hinter der holländischen Grenze. Nur doof, dass Papa und ich gar keinen Kaffee trinken. Naja, wir haben für deine Großeltern einige Pakete geholt, für uns dann doch lieber ein bisschen mittel-alten Gouda und den guten alten Hagelslaag: Schokostreusel! Wir haben in einem Restaurant zu Mittag gegessen, uns ein Softijsje gegönnt und haben bei HEMA 50€ für Kinderkleidung und Baby-Bettwäsche ausgegeben. Irgendwie gibt es in den Niederlanden nämlich viel, viel schönere Kinderkleidung! Und das leckerste Softijsje!

Am Montag war ich noch mit einer Freundin in der Therme und habe mich 2 Stunden im gar nicht so warmen Salzwasser köcheln lassen. Am Samstag haben wir mal wieder viel Zeit mit unserem Patenkind verbracht. Papa hat mir ihr Duplotürme gebaut und hat mir ihr "Wettrennen" um den Esstisch veranstaltet, ich habe mit ihr Bücher gelesen und sie mit einer Sockenpuppe "gefressen". Das hat ihr total Spaß gemacht. Papa und ich erwischen uns immer dabei, wie wir uns vorstellen, wie du wohl in einem Jahr aussehen wirst und was wir gemeinsam machen werden. In unserer Vorstellung bist du irgendwie immer die braungelockte Version unseres Patenkindes. Ich bin soooo unglaublich gespannt, wie du mal aussehen wirst. Mit unseren Freunden haben wir jetzt beschlossen über Silvester gemeinsam einen Bungalow in einem spießigen Ferienpark direkt hinter der niederländischen Grenze zu mieten und eine Woche gemeinsam Urlaub zu machen. Wir freuen uns alle schon darauf. Das wird wahrscheinlich dein erster, richtiger Urlaub!

Wegen der Hüftschmerzen habe ich jetzt Krankengymnastik. Ab nächster Woche geht die Turnerei los. Außerdem habe ich ein Kniekissen, das hilft wirklich erstaunlich gut und kann ich nur empfehlen! Viel praktischer sich so ein kleines Ding zwischen die Knie zu stopfen, als ein langes Stillkissen beim Drehen immer mit zu nehmen.

Die Nächte werden für mich trotzdem immer grausamer. Ich liege zwar 8 Stunden im Bett, tatsächlich schlafen tue ich wahrscheinlich dann nur die Hälfte. Ich gehen alle 60 bis 90 Minuten zur Toilette und kann danach auch immer nur sehr schlecht wieder einschlafen.

Offiziell haben wir nun noch 7 Wochen vor uns. Ich frage mich ehrlich gesagt, womit ich die Zeit totschlagen soll. Irgendwie ist nun alles fertig und besorgt haben wir auch echt alles.

Irgendwie wird es schon werden.
Deine Mama
 
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1 Woche(n) später

Benutzer107106 

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Donnerstag, 14.03.2013, 33 + 6, 34. SWS, 9. Monat

Hallo Böhnchen,
im Gegensatz zu letzter Woche, war diese Woche sehr beschaulich.
Papa ist krank und liegt mit Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und völlig entzündeten Augen flach. Um uns nicht anzustecken und um nachts ohne schlechtes Gewissen husten und prusten zu können, hat er sich selbst ins Wohnzimmer ausquartiert. Jetzt habe ich das große Bett für mich allein - auch mal was nettes. Außer Büro und Apothekengängen habe ich diese Woche echt nichts gemacht.

Nach langem hin- und herüberlegen, werden wir uns wohl doch noch noch ein IKEA-Angebot holen. Zurzeit haben wir ja nur ein schmales 1,40 Bett. Sollte da demnächst noch jemand schlafen wollen, dann wird das doch sehr eng. Genug Platz für ein 1,80 Bett hätten wir. Wenn Papa (und Opa, der ist nämlich auch mit Grippe im Bett) wieder gesund ist/sind, dann fahren wir mal dahin. Ich bekomme noch Überstunden ausgezahlt, die können wir so gut investieren. Da dein Onkel demnächst mit seiner Freundin zusammen ziehen will, bekommt er dann unser altes Bett.

Ich habe diese Woche mit Physio begonnen. Eigentlich ist das wirklich sehr angenehm, leider kann ich einige Übungen nur kurz durchhalten. Du bist einfach zu schwer und drückst mir im Liegen die Luft weg. Schade... Auch Baden wird irgendwie unangenehm. Dabei hat das immer soooo gut getan. Aber das Gefühl langsam zu ersticken überwiegt leider dann doch irgendwann.

Letztes Wochenende haben die Eltern von deinem Papa den Maxi Cosi, den Kinderwagen und die Babywippe vorbei gebracht. Die Kliniktasche habe ich gestern komplett neu gepackt. Jetzt ist wirklich alles fertig! Dienstag geht es zum nächsten Ultraschall und die Woche drauf sind wir in der Klinik zur Vorbesprechung. Es geht auf den Endspurt zu! Gleich gehe ich mal die Strampler durch und schaue, welche ich für dich mit in die Klinik nehme. Du sollst auf den ersten Bildern ja besonders süß aussehen :zwinker:

Haaaach, langsam werde ich ganz wibbelig. Papa aber auch! Ständig fragt er mich: "Bewegt sie sich auch? Hast du sie heute schon gespürt? Hast du was gegessen? Möchtest du was trinken?" Und wenn dann doch mal was ist, nötigt er mich SOFORT bei der Hebamme anzurufen. Meistens bis du aber so aktiv, dass man das slbst durch einen dicken Pulli sieht. Hier ein Fuß, da ein Ellenbogen... Besonders gerne leider mit voller Wucht gegen die Rippen: Aua! Lass das bitte! :zwinker:Da bleibt einem manchmal wirklich die Luft weg, nachts werde ich dadurch auch wach.

Das einzige was wirklich nervt, ist das doofe Eisenmedikament und das Magnesium: Meine Eisenwerte hatten ja abgenommen und ich habe daher angefangen Kräuterblut zu nehmen. Mittlerweile wird mir davon aber gehörig schlecht. Nachts bekomme ich außerdem immer mal wieder Krämpfe in den Beinen. Daher trinke ich regelmäßig so eine doofe Magnesium-Brausetablette. Das macht es aber auch nicht gerade besser. Morgen rufe ich mal in der Praxis an. Wenn der Eisenwert besser geworden ist, dann kann ich es ja auch etwas runter fahren.

Laut Internet bist nun schon etwa 45 cm groß und 2,5 Kilo schwer. Mal sehen was der Arzt dazu am Dienstag sagt. Ich bin soooo gespannt!

Deine Mama
 

Benutzer107106 

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Dienstag, 19.03.2013, 34 + 4, 35. SWS, 9. Monat

Hallo Böhnchen,

also CTG- schreiben ist echt nicht deine Sache oder? Aber bitte, bitte mach das nie wieder: Du hast mir einen riiiiiesen Schrecken eingejagt: Über 10 Minuten musste die Sprechstundenhilfe deine Herztöne suchen und du hast dich auch nicht gerührt. Ich bin innerlich total in Panik ausgebrochen. Irgendwann hast du dann endlich, endlich gegen diese Messdinger getreten und keine Minute später hatte sie dann auch deine Herztöne. Mir ist das ganze Himalaja vom Herzen gefallen.

Das CTG war wie immer unauffällig. Die Ultraschalluntersuchung auch. Herz immer noch wunderbar: Alle Kammern gut zu sehen, kein Loch. Blase war gefüllt, also sind die Nieren auch in Ordnung. Dein Kopf ist zwar immer noch größer als der Rest, aber nicht mehr ganz so unverhältnismäßig. Mal sehen was die Klinikärzte am Montag sagen.

Dein Schätzgewicht liegt bei etwa 2300 Gramm. Noch 200 Gramm und bei einer spontanen Geburt müsstest du nicht mehr ins Kinderzimmer, sondern dürftest bei mir auf dem Zimmer bleiben.

Mein Eisenwert ist immer noch nicht hoch, aber nicht mehr weiter nennenswert gesunken. (Irgendwie von 12 auf 10,5 oder so). Gut ist: Das Eisenzeug hat also was gebracht, schlecht ist: Ich muss es weiter nehmen.

Ich habe wieder nur knapp 1 Kilo in 2 Wochen zugenommen, das ist also auch völlig okay. Meine Beine sind auch nicht angeschwollen oder so, also habe ich mit Wassereinlagerungen wohl keine größeren Probleme. Finde ich gut :zwinker:

Am Samstag war ich mit Oma in der Stadt shoppen. Ich musste daran denken, wie ich früher mit meiner Oma unterwegs war. In einem bestimmten Café haben wir immer Pause gemacht: Sie aß ein Käsebrötchen und trank eine Tasse Kaffee und für mich gab es einen Kakao mit Sahne und eine Waffel mit Puderzucker. Manchmal war meine Mama auch mit dabei und wir drei Damen der Familie haben Omas Kleinstadt leer gekauft. Bald verschieben sich hier die Generationen: Meine Oma lebt seit 7 Jahren nicht mehr. Von dir und deinem Großcousin wird sie also nie erfahren. Das ist ein komisches Gefühl. Bald wirst du also mit deiner Oma in die Stadt fahren und ihr werdet zusammen irgendwo eine Waffel oder ein Stück Schokokuchen essen und ich werde diejenige sein, die zu euch beiden dazu stößt, um dich wieder abzuholen, nach dem du bei Oma und Opa übernachtest hast. Hach wie gut du es haben wirst: Zwei Omas und zwei Opas und sogar noch einen Uropa! Das haben wirklich nicht viele Kinder.

Für meine Kliniktasche wollte ich dir ein Outfit zusammen legen, aber irgendwie hat mir nichts so recht gefallen. Außerdem wollte ich immer, dass die aller ersten Sachen die du anziehen wirst (und nicht Klinikeigentum sind) nicht gebraucht sind und ich wollte sie aufbewahren und behalten. Daher musste ein ein neues Outfit her, was wir gestern bestellt haben. Ich freu mich schon, wenn es endlich kommt. Leider sind die Lieferzeiten 7 Tage. Solange, plus eine Wäsche musst du also noch drinnen bleiben, verstanden?! Zwischen 2 Outfits werde ich dann wählen können.

Ich muss jetzt zur Physio,
deine Mama
 
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Benutzer107106 

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Montag, 25.03.2013, 35 + 3, 36. SWS, 9. Monat

Hallo Böhnchen,
was machst du denn für Sachen? :grin:
Heute morgen in der Wanne sah es wirklich sehr, sehr komisch aus, was du da in meinem Bauch veranstaltet hast. Eine riesen Beule wanderte von links nach rechts, dann gab es einen Tritt hier und einen Fuß da und dann war Ruhe.
In der Klinik bei der Vorbesprechung mit der Oberärztin der Geburtsstation, kam dann die Gewissheit: Du hast dich total verknotet :grin: Du liegst jetzt wieder halbschräg, ein Fuß vor den Genitalien (also wieder kein Outing *stöhn*), der andere vor dem Gesicht, wie immer du das hinbekommen hast. Auch liegst du nicht mehr mit dem Rücken nach links, sondern nach rechts.

Die Abmachung mit der Klinik ist jetzt total einfach. Bis zum 7. April bleibst du auf jeden Fall drin. Ab da an bist du kein Frühchen mehr und man könnte dich holen, wenn es nicht anders gehen sollte, wegen der Schmerzen. Halte ich es nicht mehr aus, soll ich anrufen und man macht einen Termin zum Kaiserschnitt, der innerhalb weniger Stunden möglich wäre. Geraten wird mir natürlich möglichst lange zu warten. Aufgrund der Hüftarthrose wird nicht zu einer vaginalen Geburt geraten, man könne es aber versuchen und zur Not umschwenken. Das Problem ist dabei nicht, dass die Geburt nicht geht, denn anwinkeln und spreizen kann ich die Beine ja, sondern dass die Geburt und die damit einhergehende Hüft- und Beckenlockerung und -dehnung den Zustand des Beckens und der Hüften noch um einiges verschlimmern könnten. Da ich ungern 2, 3 Jahre nach deiner Geburt künstliche Hüftgelenke, inklusive Krankenhausaufenthalt und Reha haben möchte, gehe ich da lieber in den geplanten Kaiserschnitt.

Wenn ich es aushalte kann man auch warten, bis die Wehen anfangen, bis ich in den OP komme. Das Krankenhaus ist sehr flexibel und macht das nach meinem Wunsch, obwohl sie dazu raten, Kaiserschnitte vor Wehenbeginn zu machen.
Papa und ich haben beschlossen, dass wir jetzt einfach noch ein bisschen abwarten und schauen was unser Gefühl uns sagt. Mitte April ist der nächste Ultraschall beim Arzt. Den würden wir gerne noch mitnehmen und dann in der Klinik anrufen. Ob das alles so klappt weiß ich nicht.

Die Schmerzen werden immer stärker und ich weiß langsam nicht mehr wohin mit mir. Kaum eine Nacht schlafe ich mehr als 2,3 Stunden am Stück. Dann liege ich entweder Stunde um Stunde wach oder muss sogar aufstehen und mich setzten oder mich bewegen, bis das Liegen wieder möglich ist. Häufig geistere ich mehrere Stunden nachts durch die Wohnung und bin dann am nächsten Tag völlig fertig.

Die Klinik hat mir insgesamt sehr gut gefallen, auch wenn die Station und so weiter ja nichts neues für mich war. Die Hebammen und Schwestern waren sehr nett und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Irgendwann in den nächsten 2 bis 6 Wochen werden wir uns dort also das erste mal sehen. Ein schöner, aber auch unwirklicher Gedanke...
Dein Klinik-Entlassungs-Outfit kam passend heute mit der Post und steckt schon in der Waschmaschine. Bald darf ich es dir anziehen! Ich freue mich so!

Deine Mama
 

Benutzer107106 

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(leider habe ich durch Zufall herausgefunden, dass man alle (Bauch-)Bilder von mir auf Google findet und darauf auch zugreifen konnte. Ich dachte, dass die Fotos nur von PL-Mitgliedern zusehen sind. Da das nicht der Fall ist habe ich alle alten Bilder gelöscht und werde keine weiteren mehr einstellen, auch wenn ich es schade finde.)
 

Benutzer107106 

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Samstag, 30.03.2013, 36 + 1, 37. SWS, 10. Monat

Mein liebes, großes Böhnchen,

langsam werden wir ziemlich aufgeregt und hibbeln hier ganz schön herum. Das sind diese Momente in denen man am liebsten schreiend im Kreis läuft und mit den Händen fuchtelnd kreischt: "Argh, wir bekommen ein Baby!" Helfen tut das leider gar nicht, wie ich Tag-täglich feststellen muss :zwinker: Überall liegen jetzt Sachen für dich herum. Im Schlafzimmer ist die Wiege fertig aufgebaut, dein Kinderzimmer ist ja eh fertig. Die Kliniktasche ist nun auch zum zwölfhundersten mal ein- und wieder ausgepackt worden. Dein Teddy sitzt im Maxi-Cosi Probe. Auch dein Köfferchen ist fertig gepackt, dein Bett ist bezogen. Im Wohnzimmer stehen die Sachen für später: Eine Babywippe und zwei große Kisten Duplo. Kleine Windeln liegen auf der Wickelkommode und in Momenten in denen ich die ganze Situation irgendwie realisieren muss, räume ich den Kleiderschrank mit deinen winzigen Klamotten aus und wieder ein. Jedes mal staune ich aufs neue, wie da ein kleiner Mensch reinpassen soll. Du bist ein MENSCH! Mit Fingern und Füßen und Wimpern und Ohren und Nasenlöchern. Und du bist noch in mir drin. Eindeutig, das stelle ich immer wieder bei ziemlich harten Tritten fest.

Die letzte Woche war ja sehr vollgepackt mit Physiotherapie, Hebammensprechstunde und Klinikvorstellung. Die Hebamme hat mir meine Hüften jetzt mal getapet. Solche tellergroßen "Blumen" auf dem Hintern machen sich sehr gut. Nun ja, helfen tun sie leider nicht. Auf einer Seite musste Papa sie auch schon wieder abmachen, denn die Pflaster haben nach dem Duschen so gejuckt, dass ich wahnsinnig geworden bin. Die andere Seite lasse ich jetzt einfach so lange dran, wie es geht. Nicht weil ich glaube, dass es hilft, sondern weil das abziehen doch ziemlich schmerzhaft ist :grin: Das Zeug hält besser als Sekundenkleber! Sonst hat mir die Hebamme noch einmal die Prozedur eines möglichen Kaiserschnitts genau erklärt. Das hat mir sehr geholfen mir vorzustellen, was da auf mich zu kommt. Seit einer Hals-Op mit 3 Monaten wurde ich ja noch nie operiert. Ich habe also keine Ahnung was da überhaupt mit mir geschehen wird. Ich bin sooo froh, dass die meiste Zeit Papa bei mir sein wird. Dann fühle ich mich sicher nicht ganz so ausgeliefert und verloren.

In dieser Woche hatte ich meine ersten leichten Wehen. Einen ganzen Abend und eine halbe Nacht, hatte ich im schönsten 15 Minuten-Rhythmus ein ganz schönes Ziehen im Unterleib, das ich manchmal richtig veratmen musste. Irgendwann bin ich aber dann doch eingeschlafen und am nächsten Morgen war es weg. Am CTG war keine Spur mehr von Wehen zu sehen.

Der Karfreitag war leider nicht so schön. Seit Donnerstag hatte ich immer wieder Probleme mit der Luft: Ich hatte immerzu das Gefühl, nicht genügend einzuatmen. Ich wusste aber, dass das normal ist. Mit der Zeit wurde mir durch das bewusste Atmen aber total schlecht, ich hatte Punkte vor den Augen und bin einige male ganz schön gestrauchelt, bzw. haben sich meine Beine verabschiedet. In Absprache mit meiner Hebamme bin ich dann vorsichtshalber doch ins Krankenhaus gefahren. Dort wurde ein CTG geschrieben und meine Sauerstoffsättigung gemessen sowie mein Puls. Deine und meine Werte waren aber alle okay, sodass ich beruhigter nach Hause fahren konnte.

Heute (Karsamstag) war Papas Familie, samt deinem Uropa da. Morgen machen wir dann mit meiner Familie weiter. Alle freuen sich schon auf dich und sind ganz aufgeregt. Uropa hat sogar in ein Foto mit dir eingewilligt. Das ist wirklich was besonderes. Du siehst: Wir sind bereit für dich. Das einzige was noch fehlt, bist du!

Deine Mama
 
1 Woche(n) später

Benutzer107106 

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Montag, 08.04.2013, 37+2, 38. Woche, 10 Monat

Mein liebes Böhnchen,
gerade streckst du mir mal wieder mit voller Kraft eine Hacke durch die Bauchdecke und ich bilde mir ein, dich ein bisschen zu kitzeln :grin:
Die letzte Woche, was die wohl langweiligste der ganzen Schwangerschaft: Ich war krank und habe wirklich nur im Bett gelegen. Die Osterfeiertage ging es los. Am Ostermontag waren wir ja noch bei deinem kleinen Großcousin und ich konnte noch mal Babykuscheln üben, aber seit dem liege ich flach. Papa geht es auch nicht viel besser, nur darf der die harten Sachen einschmeißen, während ich hustend und prustend hier rumliege. Irgendwann hat das Husten leider so weh getan, dass ich keine Luft mehr bekommen hatte. In der Oberstufe hatte ich mal eine Rippe gebrochen, weil ich so stark gehustet hatte und die Schmerzen jetzt waren ähnlich schlimm. Daher sind wir in die Klinik. Zum Glück hat sich der Verdacht nicht bestätigt, auch nicht die Angst der Ärztin, dass es sich um eine Schwangerschaftsvergiftung handeln könnte. Du wiegst jetzt etwa 2900 Gramm und sitzt schon ganz tief im Becken. Ich merke das vor allem daran, dass der Muttermund ganz schön doll zwirbelt!

Trotz der Erkältung habe ich es mir nicht nehmen lassen, den Sonntag für die lang geplante Babyparty zu nutzen. Es hat unglaublich Spaß gemacht und meine Mädels haben sich viele nette Dinge einfallen lassen: Babybreisorten-raten, Windeltorten, etc. Das schönste war, sie alle mal endlich wieder zu sehen: Immer waren sie alle beschäftigt mit Praktika, Bachelorarbeit, Examen oder Physikum. Aber wie das so ist: Das Wochenende vor Unibeginn, haben sie alle am meisten Zeit.

Du bist nun ganz offiziell kein Frühchen mehr! Ab jetzt kannst und darfst du jederzeit kommen!!! Wir sind bereit,
deine Mama
 

Benutzer107106 

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Redakteur
Freitag, 12.04.2013, 38+0, 39.Woche, 10. Monat

Mein Böhnchen,
"it's the final countdown!" besser gesagt: Keine 7 Tage mehr, keine Woche und wir sind Mama und Papa. Das ist in etwa so unwirklich, als würde mich der Bundespräsident anrufen und mir mitteilen, dass ich die neue Bundeskanzlerin sei.
Noch 6 mal schlafen und ich werde dich in meinen Armen halten. Ich werde dich anfassen, an dir riechen, deine winzigen Hände und klitzekleinen Zehennägel bewundern. Ich werde mir deinen Mund, deine Nase und deine kleinen Finger jeden für sich selbst einprägen. Heute in einer Woche bin ich schon seit 24 Stunden Mama.

Die letzten Tage sind in einer Mischung aus totaler Nervosität und absoluter Langeweile vergangen. Entweder wibbel ich durch die Wohnung, putze, backe, koche und räume, oder ich update meine Facebookseite alle 30 Sekunden mit der Hoffnung auf etwas Neues.

Heute war ich bei meiner letzten Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt. Der Mutterpass ist jetzt voll. Im Gegensatz zu den Klinikärzten, schätzt er dich auf über 3,5 kg und du bist ein Sternengucker. Dazu kommt weiterhin ein großer Kopfumfang, weshalb er mir, solltest du dich nicht mehr drehen, eh zu einem Kaiserschnitt raten würde, da die Mischung Sternengucker und großer Kopf, wohl besonders ungut wäre. Ich bin froh, dass ich nun nicht enttäuscht bin, wie die arme Frau die mir vor mir stand und der Sprechstundenhilfe ganz geknickt erzählte, dass ich Baby sich nicht aus der Beckenendlage dreht.

In den letzten drei Tagen sind meine Hüftschmerzen kaum noch auszuhalten. Immer wieder muss ich richtig die Luft anhalten, um den Schmerz irgendwie auszuhalten. Ich wechsel gefühlt alle 3 Minuten die Position, aber es tut einfach nur noch weh. Es fühlt sich an, als würde mir jemand direkt in die Hüfte hineinbohren. Angenehm ist es auf dem Rücken zu liegen, leider schnürst du mir nach wenigen Minuten die Luft ab. Noch 6 Tage bleue ich mir dann immer ein. Was mich richtig nervt ist, dass die rechte Hüfte häufig einfach wegklappt. Einfach so! Das ist so gruselig, wenn man plötzlich in die Knie geht.Ich freue mich ehrlich gesagt darauf, wenn man mich endlich wieder röntgen darf. Ich will endlich wissen, was da genau vorgeht. So ist das zumindest absolut gar nicht in Ordnung.

Mein Bauch ist ja bisher verschont geblieben, aber nun habe ich ganz schöne Streifen bekommen und zwar an den Seiten. :frown: Komisch, genau an der Stelle hätte ich es am wenigsten erwartet. Die an den Brüsten werden langsam sogar schon wieder blasser, ich hoffe, dass diese "Ralleystreifen" da genauso schnell abklingen. Auch so fühle ich mich langsam nicht mehr so wohl in der eigenen Haut. Ich habe jetzt in den letzten Wochen doch ganz schön zugenommen, was ich vor allem in den Beinen (Wasser tut weh!) und im Gesicht merke. Ich wirke so aufgedunsen im Gesicht, ganz seltsam... Der Aufstieg bis in unsere Wohnung wird täglich mühsamer und es ist nicht der Bauch, der das Problem ist, sondern die extra Kilos: Aber es sind ja nur noch 6 Tage!!!

Wir sehen uns Donnerstag!
Deine Mama
 

Benutzer107106 

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Montag, 15.04.2013, 38+3, 39.Woche, 10. Monat

Hallo Böhnchen,
noch 3 Tage! Und der Sommer ist da, endlich, endlich, endlich! Am Wochenende waren wir viel draußen: Im Wald und auf dem Balkon, den ich auch noch neu bepflanzt habe. Es war meine große Hoffnung noch vor deiner Geburt eine Runde durch den Wald drehen zu können, ohne sich den Hintern abzufrieren und den Balkon neu zu bepflanzen, ohne dass man Angst haben muss, dass die Pflanzen wegen Frost wieder eingehen. Aldi war auch noch so nett, genau diese Woche Pflanzen im Angebot zu haben :grin:

Da wir es nicht ganz glauben können, dass es nur noch 3 Tage sind und wir uns hier total bescheuert machen, machen wir eine Unternehmung nach der anderen: Freunde einladen, zu Freunden fahren, Essen gehen, mit Opa Fußball gucken und mal wieder zu Ikea fahren.

Ich habe meinen Kleiderschrank aus- und wieder eingeräumt und die ganzen Schwangerschaftsklamotten rausgeworfen. Die liegen jetzt auf der Bank im Schlafzimmer. Die Umstandsmode von Freundinnen wurde nun in Tüten gepackt und wird demnächst an ihre Besitzerinnen zurück gegeben. Was bin ich froh, wenn ich wieder in meine normalen Sachen hineinpasse. Ich kann das Zeug einfach nicht mehr sehen :grin:

Wenn die Wäsche, die jetzt auf der Leine hängt trocken ist, dann wird die Kliniktasche ein allerletztes mal umgepackt. Die Handys werden aufgeladen und der Fotoapperat liegt jetzt schon bereit. Taxigeld ist schon seit Wochen in der Tasche, ebenso eine kleine Flasche Sekt und diverse Snacks und Süßigkeiten und 0,5 l Wasser für Papa. In der Kosmetiktasche sind auch Haargummis und Zahnpasta, das vergesse ich nämlich sonst immer so gerne. Alle Still-BHs die ich jetzt schon getragen habe, waren heute noch mal in der Wäsche und kommen dann ganz frisch mit ins Krankenhaus.

Ich hoffe so, dass es mit dem Familienzimmer für die ersten 2, 3 Nächte klappt. Aber wie ich unser Glück kenne ist diese Woche die geburtenreichste Woche des Jahres und dann wird das leider nichts.

Noch 3 mal schlafen...
Bis dahin,
deine Mama
 

Benutzer107106 

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Mittwoch, 17.04.2013, 38+5, 39.Woche, 10. Monat oder Geburt - 1

Uaaaaaahhhh!
Böhnchen, in weniger als 24 Stunden bist du aus meinem Bauch heraus und liegst dafür auf Papas Arm. Auch wenn wir den heutigen Tag beim Klinikvorgespräch im Kreißsaal und der Anästhesie verbracht haben, hilft uns das gerade gar nicht das zu verstehen. Du wirst also kommen. Aha. Nein glauben kann ich das immer noch nicht.

Im Kreißsaal wurde noch einmal ein CTG geschrieben, was du durch einen Schluckauf der übelsten Sorte beinahe boykottiert hättest, weil deine Herztöne von dem Hicksen übertönt wurden :grin: Aber ich habe tatsächlich die ersten, leichten Wehen. Wäre die doofe Erkältung jetzt noch nicht weg, hätten wir jetzt wohl ernsthaft ein Problem. Auch die mittlerweile starken Wassereinlagerungen weisen auf dein baldiges Kommen hin: Die Hebamme hatte kaum Chancen aus meinen Venen Blut zu bekommen. Meine Arme und Hände sind ganz zerstochen, weil das Gewebe so aufgedunsen ist, dass sie keine vernünftige Stelle gefunden hat. Ende vom Lied war: Kein großes Labor nur ein kleines, mehr hat sie nicht aus mir raus bekommen. Meine Armbeuge ist jetzt ganz blau...

Die Anästhesisten war sehr nett und hat sich viel Zeit genommen. Ich darf und soll sogar meine Brille während der OP auflassen, denn es ist wohl Mittlerweile bekannt, dass Brillenschlangen zu Schwindel neigen, wenn sie die "Sehhilfe" absetzten. Hach, so kann ich dich immerhin scharf sehen. Wir dürfen sogar eine Camera mit in den OP nehmen, allerdings darf nur die Schwester schnell 1, 2 Fotos machen. Du wirst nach dem ersten kurzen Moment ja rüber zu den Kinderärzten gehen, während ich weiter versorgt werde. Die Hebamme hat mir versichert, dass es zurzeit sehr gut mit dem Familienzimmer aussehe, aber natürlich noch einige Notfälle eintrudeln könnten, dann haben die natürlich Vorrang was die Zimmer angeht. Ich drücke mir also mal selbst die Daumen.

Morgen Vormittag fahren wir dann also los, morgen Mittag bist du dann da. Der Moment auf den ich beinahe 10 Monate gewartet habe, wird also real. Und genau das ist so unvorstellbar.
Deine nervöse Mama
 

Benutzer107106 

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Mein allerliebstes, klitze kleines Böhnchen,

sind das „nur“ die Hormone, oder sind das echte Gefühle? Ich weiß es nicht, aber du bist das süßeste und überhaupt hübscheste und wunderbarste kleine Wesen, was ich je in meinem Leben gesehen und angefasst habe. Nun bist du also endlich da. 39 Wochen habe ich mich auf dein Kommen vorbereitet. Papa und ich haben uns immer wieder versucht ein Bild von dir zu machen,aber wirklich gelungen ist es uns nicht. Dass du so unglaublich niedlich und wunder-, wunderhübsche sein würdest, hätten wir niemals zu hoffen gewagt. Willkommen auf der Welt mein kleiner Engel, willkommen bei Mama und Papa!

Geboren wurdest du an einem hellen, sonnigen und warmen Frühlingstag. Der Morgen begann um 6.30 Uhr in der Früh, denn bis 7.00 Uhr durfte ich noch zwei Scheiben Toast mit Marmelade essen. Den restlichen Morgen war an Schlaf natürlich nicht mehr zu denken. Ich habe ein Bad genommen, geputzt, gesaugt, gespült und noch die letzten Dinge von a nach b geräumt. Papa und ich haben das Radio laut aufgedreht und haben versucht uns mit der unsinnigsten Hausarbeit abzulenken. Letztendlich haben wir dabei dann das Telefon überhört: Wir wären vorgezogen worden... Um 10.30 Uhr hat Papa die Nachricht auf dem Anrufbeantworter abgehört und wir haben zurück gerufen: „Kommen Sie so schnell es geht, der OP ist jetzt schon frei!“ Gesagt getan: Papa rief das Taxi, ich schnappte mir das Kuschel-U und wir sind los, binnen fünf Minuten saßen wir in dem Auto und keine zehn Minuten später waren wir schon am Krankenhaus angekommen: Böhnchen wir kommen!

Als wir nun kurz vor 11 in der Frauenklinik angekommen waren, ging es nach kurzer Wartezeit in den Kreißsaal. Ich sollte mich entkleiden, bekam einen OP Kittel angezogen und sollte ein letztes mal zur Toilette gehen. Das Problem „Blutabnehmen“ von gestern ist über Nacht natürlich nicht besser geworden und so brauchte die Hebammenschülerin gefühlte zehn Anläufe, bis sie eine Kollegin rief: Nun ja, irgendwie haben sie es mit vereinten Kräften geschafft mir einen Zugang zu legen. Damit der Flüssigkeitsverlust bei der OP von meinem Kreislauf aufgefangen werden kann, wurden mir von jetzt an drei Infusionen mit Ringerlösung zugeführt.
Um etwa 12.00 Uhr begann man mit einem CTG: Ganz klar, das waren Wehen. So oder so wärst du in den nächsten Tagen auf die große Reise gegangen. Noch immer waren Papa und ich relativ relaxt. Papa blödelte mit dem Gymnastikball herum und ich überlegte ernsthaft, wo man die schöne Fototapete wohl her bekäme, als um kurz nach 13 Uhr die Hebamme freudestrahlend herein kam: „Jetzt geht es los!“ Ich wurde abgekabelt und Papa und die zierliche Hebamme schoben mich zum OP.
Während Papa in die Umkleide geschickt wurde, kam ich in einen mir bis dahin unbekannten Raum: In der Mitte ein gynäkologischer Stuhl, drumherum einige Geräte und vergleichsweise viele Menschen im Raum. Ich hielt es für das Vorbereitungszimmer. Erst nach wenigen Minuten wurde mir bewusst, dass dieser „Untersuchungsraum“ mit Fenstern (und somit Sonnenlicht!) dein Geburtsort werden würde. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich über das Vorhandensein von Fenstern so freuen würde, aber sie halfen mir enorm keine klaustrophobischen Ängste zu entwickeln.

Ich setzte mich seitlich auf den Stuhl und mir wurde eine Fußbank unter die Füße geschoben. Der Rücken wurde mir mehrfach steril abgewaschen. Der Anästhesist betäubte erst meine Haut, dann die tiefere Hautschicht und zuletzt setzte er dann die „Rückenmarksspritze“. Innerhalb von 30 Sekunden wurden meine Beine ganz taub. Mir wurde die Bank unter den Füßen weggezogen und ich sollte meine Beine in die Schalen legen: Das klappte leider nicht mehr aus eigener Kraft. Also legten mich zwei Schwestern und ein Pfleger auf den Stuhl, klappten das Rückenteil herunter, setzten mir ein Haarnetz auf und verkabelten mich: Blutdruckmessgerätsmanschette rechts, Tropf und Sauerstoffsättigung links. Auf der Brust die Messpunkte des EKGs und in der Nase einen Sauerstoffschlauch (jetzt weiß ich, warum die Leute sich in den Arztsendungen immer so anstellen; die Dinger sind wirklicher unangenehm).
Der Anästhesist sprühte mir ein Eisspray auf die Schulter und fragte mich, was ich zum Vergleich am Unterbauch spüren würde. Meine Antwort war eher etwas entsetzt: „Das spüre ich sehr wohl noch!“ Er guckte etwas genervt: „Ja das weiß ich, die Frage ist nur was Sie fühlen.“ „Als hätten Sie mich mit warmen Wasser angesprüht!“ „Na, sehen Sie: Die Spinale setzt nicht alle Gefühle aus, nur den Schmerz und Ihre Bewegungsfunktion. Sie werden weiterhin angenehme und neutrale Gefühle, wenn auch deutlich reduzierter wahrnehmen.“ Und ja, er hatte Recht, was ich unglaublich gruselig fand.
Das Abwaschen mit Jod habe ich komplett verfolgen können, aber meine Beine konnte ich nicht mehr bewegen und das Einführen des Blasenkatheters habe ich nicht mitbekommen, hätte mich die Hebamme nicht darauf hingewiesen.
Mittlerweile hatte auch Papa sich mit Hilfe eines Pflegers umgezogen und saß nun mit Gesichtsmaske und Häubchen neben mir. Die Fotokamera hatte er an eben den Pfleger abgegeben der unaufhörlich Fotos machte. Der Arzt rief: „Die Operateure können kommen!“ und ich wartete darauf, dass sich jemand bei mir als Gynäkologe oder Chirurg vorstellte. Erst als nach 2 Minuten plötzlich ein Gluckern und dann ein Saugen zu hören waren, dämmerte es mir, dass man Angefangen hatte, ohne mich von dem Start in Kenntnis zu setzten: Zwar fand ich es im ersten Moment grob unhöflich sich ohne kurze Vorstellung an diese wichtige Operation zu machen, dann wurde mir aber bewusst, wie sehr diese Vorgehensweise meinen Blutdruck und die nervösen Nerven beruhigte.
Der Pfleger mit der Kamera fragte „Wissen Sie eigentlich was es wird?“ „Nein, nicht hundertprozentig“ „Tja, ich weiß es!“ lachte der Pfleger zurück und 2, 3 Schwestern und Ärzte feixten im Hintergrund „Ich auch! Ich auch!“ Verraten wollten sie uns aber nichts.
Die erste Frage die mir in den Sinn kam war allerdings weder, ob du gesund bist oder ob sonst alles okay wäre, sondern: „Hat es Haare?“ „Oh ja!“, antwortete die junge Hebamme in dem Moment und kam mit dir im Arm um das uns vom Geschehen absperrende OP-Tuch herum, hinter dem ich lag und Papa saß. Sie drückte einem völlig geplätteten und von den Gefühlen überwältigten Papa ein kleines, brüllendes, tief rosa-rotes Bündel in den Arm und beglückwünschte uns zu unserer Tochter.

Ich konnte es kaum fassen. Die Gedanken rasten in meinem Kopf und meine Augen versuchten mehr und schneller zu sehen, als mein Verstand die Information aufnehmen konnte: „Ich bin jetzt Mutter.“ Während Papa vor Stolz und Glück seinen Mundschutz vollheulte, grinste und zitterte ich einfach nur, kaum in der Lage einen vernünftigen Satz heraus zu bringen. Du wirktest so unglaublich zierlich. Du brülltest aus voller Kraft, deine Haare waren voller blutiger Glibber, deine Augen vom Weinen verquollen, aber du wirktest so unglaublich lebendig. Die Ärzte hatten das wohl genauso gesehen und ließen dich daher für volle 10 Minuten bei uns, bevor du zum Kinderarzt gebracht wurdest. Papa wurde von dem Kamerapfleger hinausbegleitet und ich wurde zugenäht. Nach nur 45 Minuten hatte ich den OP-Saal mit dir im Arm wieder verlassen. Ich lag wieder in meinem Krankenhausbett, du lagst nackt halb auf, halb neben mir und wir genossen unsere erste Zeit zu zweit mit purem Hautkontakt. Papa stieß im Flur wieder zu uns und wir gingen zurück in den Kreißsaal. Dort legte ich dich an wollte dich am liebsten nie wieder los lassen.
Mit deinen knappen 3 Kilo auf etwa 52cm bist du wirklich ein zierliches Baby. Aber deine großen dunklen Augen, dein brauner, flusiger Schopf, deine unglaublich kleinen Hände, deine Nase die aussieht als wäre sie meine im Miniformat und den unglaublich langen Wimpern bist du aber erst das was du wirklich für uns bist: Unsere kleine, absolut perfekte, unendlich niedliche Tochter. Die Töne die du machst sind so herzallerliebst, die Art wie du uns anschaust so wunderbar und selbst dein Weinen kann ich unter all den anderen Babys auf dem Flur der Klinik unterscheiden.

Die erste Nacht war die Klinik aufgrund der Einlieferung von Notfällen so voll, dass wir zu dritt in einem Überwachungsraum des Kreißsaals übernachtet haben. Erst am nächsten Tag ging es auf die Station.

Ich bin nun also Mama. Ich habe mir, auch in diesem Tagebuch, so viele Gedanken darüber gemacht, was es wohl bedeuten mag eines Tages die Mutter eines kleinen Menschen zu sein. Papa und ich haben uns in der vergangenen Zeit so viele Gedanken über so viele Dinge gemacht von A wie Auslandsaufenthalt in der Oberstufe bis Z wie Zahnersatzversicherung. Jetzt, wo du da bist und neben mir in deinem kleinen Bettchen liegst und selig schlummerst merke ich, wie das alles graues Theorie gewesen ist. Nichts von all dem hat etwas damit zu tun, was ich empfinde, wenn du im Schlaf kurz aufwimmerst oder wenn du mit großen hungrigen Augen zu mir schaust, wenn ich dich stille.

Du bist einfach perfekt und das größte Glück, das Papa und mir jemals passieren konnte!
Deine Mama

(Bilder von Böhnchen und ihren richtigen Namen gibt es nur per PN.)
 
Zuletzt bearbeitet:
3 Woche(n) später

Benutzer107106 

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Anmerkung:
Der Kaiserschnitt als solcher, hat sich für mich persönlich, als eine unglaublich tolle Geburtserfahrung herausgestellt. Allerdings fühle ich mich in Anwesenheit von medizinischen Geräten und Personal auch nahezu wohl und nicht eingeschüchtert oder gar ängstlich. Ich hatte keinerlei Sorgen mit den vielen Vorbereitungen und weder vor noch während der OP Schmerzen. Weder das Legen der Spritze, noch das Einführen des Blasenkatheters habe ich als etwas Schmerzhaftes oder Entblößendes empfunden. Die Pfleger und Schwestern waren sehr freundlich zu uns und auch mein Mann fühlte sich nie fehl am Platze. Ihr routinierter Umgang mit der Situation machte mich ganz ruhig. Am tollsten finde ich persönlich, dass der „Kamerapfleger“ eben so unglaublich viele Fotos gemacht hatte. So haben wir von den ersten Berührungen miteinander mehrere Bilder und sogar von der OP an sich (zwar sicherlich nicht jedermans Sache, aber ich finde es unglaublich toll!). Ich hatte während der OP, abgesehen von der U1 ständig Körperkontakt über die Hand oder dem Gesicht zu meinem Kind. Entweder war es bei meinem Mann oder der Hebamme auf dem Arm und ich konnte es anfassen. Die Angst, dass sie hätte vertauscht oder nicht mein Kind hätte sein können, kam zu keiner Zeit auf.
Nach dem ich wieder in meinem Bett lag, legte man mir sofort das nackte Baby unter meine Decke und im Kreißsaal wurde sie sofort angelegt. Probleme wie nicht ausreichendes Bonding (also psychische Belastung durch fehlendes Zugehörigkeitsgefühl zu meinem Kind) oder keinen Milcheinschuss hatte ich nicht.
Die Schmerzen in den nächsten Tagen kann und möchte ich hingegen nicht klein reden. Ich hatte bis dahin noch nie solche Schmerzen. Trotz „Ibu 800“ per Tablette und „Para“ als Tropf, kann ich selbst 4 Tage später immer noch nicht wegen der Schmerzen vernünftig schlafen. Das Aufstehen tut manchmal so weh, dass ich denke, dass ich zerreiße und die ersten Schritte die ich nach jedem Aufstehen mache, sind noch immer (4 Tage nach der OP) so schlimm, dass ich wie eine Oma über den Gang trotte. Auch muss man damit leben können noch einige Stunden am Katheter zu bleiben und ggfs. Am nächsten Tag auch die Bettpfanne benutzen zu können. Mein starker Husten war natürlich nicht gerade förderlich und zwischendurch hatte ich mir das husten solange verkniffen, dass ich kaum noch Luft bekommen hatte.
Ohne einen Partner, der sich nicht scheut bei Kind und Mutter mal mit Hand anzulegen, also die ersten 2 Tage immer aufsteht, wenn das Würmchen sich meldet, es an die Mutter zum Stillen reicht, wickelt und umzieht, der Mutter zur Toilette hilft und sie ggfs. an- und auszieht, ihr beim Waschen und Duschen hilft stelle ich mir allerdings einen Kaiserschnitt sehr schrecklich, da hilflos vor. In den ersten 48 Stunden konnte ich mein Kind nicht aus dem Bett heben und ich konnte nicht aufrecht am Wickeltisch stehen. Wir genossen daher unser Familienzimmer in vollen Zügen.

Bei einer erneuten Schwangerschaft werde ich wohl wieder alles genauso machen. Heute an Böhnchens 4. Lebenstag bin ich ohne Schmerzmittel unterwegs, kann sie auch alleine aufnehmen und tragen. Ich kann noch nicht alle Hosen wieder tragen, da sie scheuern (also auch die Umstandshosen scheuern zum Teil zu sehr an der Naht), aber sonst sehe ich keinen Unterschied zu den „normalen“ Gäberenden auf der Station: Emotional geht es mir unglaublich gut, körperlich bin ich in stetiger Verbesserung und das Stillen klappt mit Abpumpen auch.

***
4 Wochen nach Böhnchens Geburt bin ich so gut wie schmerzfrei, solange ich nicht komplett übertreibe. Mein Bauch ist wieder sehr flach, die Narbe gut verheilt nur noch taub: Etwa 1 – 2 cm oberhalb der Narbe spüre ich nichts. Der Schnitt selbst ist etwa 8 cm lang. Die Hüftprobleme sind weg, da ich nun wieder auf dem Rücken und dem Bauch schlafen kann und das Gefühl für die Blase ist nun auch wieder vollständig zurück gekommen. Die Stillprobleme, (zuerst abpumpen müssen, dann Brustentzündungen) haben mich nach 2 Wochen zum Abstillen gebracht. Da kann der KS aber nichts für.

Ob ich noch ein weiteres Kind möchte, weiß ich (noch) nicht. Meine größte Angst ist eigentlich, dass ich zu Anfang der Schwangerschaft wieder so ein wochenlanger Totalausfall bin und evtl sogar noch einmal ins Krankenhaus muss und ich frage mich, was dann mit Böhnchen werden würde. Ein weiterer Kaiserschnitt ist für mich aber absolut kein Hinderungsgrund, Ich glaube, ich würde mich sogar freuen, dass noch einmal erleben zu dürfen, noch einmal ein so kleines Baby in den halten können, noch einmal den ersten Schrei des eigenen Kindes hören, den ich nie vergessen werde.

Morgen wird sie 4 Wochen alt. Sie kann ihren Kopf nun schon lange halten, schaut einen mit offenen Augen an, lächelt manchmal und wiegt ein ganzes Kilo mehr, als bei der Geburt. Manchmal schläft sie schon 6 Stunden am Stück und tagsüber ist sie manchmal viele Stunden lang wach.

*Tagebuch Ende*
 
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